Hennis Blogadventskalender, 20. Türchen

Noch einmal steht der folgende Beitrag in der Reihe des Blogadventskalenders von Sabine. Mittlerweile sind bereits 19. Türchen geöffnet, die bisherige Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Gestern endete sie wie folgt:

“Aber wer sagt denn, dass wir wirklich alleine zum Essen mit Lars gehen müssen?”, murmelte Henni und machte sich auf die Suche nach dem Ferkelchen.

Möglicherweise war das Ferkelchen für sie die Rettung aus dieser etwas mieslichen Situation. Es war zwar charakterlich nicht ganz fein, dieses süße Ferkelchen, das sie vor einigen Minuten noch gar nicht haben wollte, für das Abendessen mit Lars zu mißbrauchen. Aber wahrscheinlich würde sich das Ferkelchen keine großen Gedanken darüber machen. Solange es dann noch eine Belohnung in Form von einem der leckeren Äpfel in Hennis Garten bekommen würde, wäre das sicher in Ordnung für das Ferkelchen.

Übrigens, Ferkelchen brauchte einen Namen. Es konnte doch nicht angehen, dass dieses neue Mitglied ihrer Familie nur Ferkelchen hieß. Das ging wohl gar nicht. Aber für die Namenssuche hatte sie jetzt keinen Nerv.

Jetzt war einmal Lars dran und die Geschichte, die sie ihm auftischen wollte, warum diesmal statt Ulla Ferkelchen dabei war. Vielleicht erklärte sie ihm, dass Ulla verzaubert worden war und nun Ferkelchen war? Lustig wäre es ja schon und Fantasie dazu hatte sie genug.

Aber auch wenn Lars etwas einfach gestrickt und nicht die hellste Kerze auf der Torte war, aber das würde sogar ihm zu blöd sein. Er würde wahrscheinlich total sauer werden. Das wollte Henni nun auch wieder nicht, weil nett war er ja, nur einfach etwas eigenartig.

Wahrscheinlich reichte es, wenn sie einfach das Ferkelchen ohne Geschichte mitnahm, das wäre sicher schon genug Gesprächsstoff für den Abend mit Lars.

Und wer weiß, was sich daraus ergeben würde.

20. Türchen

Doch zunächst musste sie Julius und Jana erklären, dass sie das Schweinchen nun doch behalten würde und außerdem noch einen Termin hatte. Hatte Lars nicht eigentlich vom Mittagessen gesprochen? Ihr Kopf brummte, seine Worte schwirrten darin herum wie Hummeln in den Mittagssonne. Sie ließ sich einfach zu schnell aus der Bahn werfen! Das war aber auch einfach alles etwas viel: Erst das Wiedersehen mit Julius, dann das Ferkel und jetzt auch noch Lars! Also, eins nach dem anderen, mahnte sie sich zur Ruhe. Wenn das Essen erst Morgen Mittag ist, dann hätte sie noch etwas Zeit gewonnen und könnte den Tag mit ihrem Besuch verbringen und sich dann Morgen Gedanken um Lars machen. A propos Besuch… Inzwischen war es in der Wohnung erstaunlich ruhig geworden.

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Hennis Blogadventskalender 2020

Dies ist ein Teil der Adventsgeschichte auf Hennis Blogadventskalender. Was bisher geschah (in kursiv):

Sie hält das Streichholz, mit der sie die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet hat, noch in der Hand. Wie früher bei der Mutprobe mit ihrem älteren Bruder. Wer konnte das Streichholz länger in der Hand halten? Sie beobachteten beide die heiße Flamme, wie sie sich ihren Fingern näherte. Wurde es zu heiß, ließen sie das Streichholz fallen. Ihr Bruder konnte das Streichholz immer eine Sekunde länger halten als sie. Erst Jahre später hatte er ihr verraten, dass er seine Finger vorher mit Vaseline eingeschmiert hatte. Er hatte sie getäuscht und nicht nur dieses eine Mal.

Sie schaut aus dem Fenster. Wird er heute kommen?

Henni hatte das Streichholz wie damals auch immer nicht schnell genug fallen gelassen. Eine erbsengroße Brandblase bildete sich sofort an ihrem Daumen.

„Ich hasse dich. Warum kann ich selbst heute, nach gut einem halben Jahrhundert nicht besser aufpassen?“

Die erste Kerze an ihrem Adventskranz brannte. War es und er das wert?

Sie rannte in die Küche und ließ kaltes Wasser über ihre Finger laufen. Dabei überhörte sie, dass es klopfte.

Er war gekommen. Würde er jetzt aufgeben und wieder gehen?

Hennis Blick fiel auf den Kühlschrank. Mit einem Marienkäfermagneten – denn sie liebte Punkte – hatte sie dort die Postkarte mit dem Leuchtturm festgemacht. Der Leuchtturm war rot-weiß gestreift und sah aus, als habe er Ringelsocken an. Ihr Bruder hatte ihr die Leuchtturmkarte geschickt.

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Freier Fall

Dieser Beitrag ist das 19. Türchen von

Grünraums Blog-Adventskalender 2019 – Stairway to Heaven

Und zum zweiten Mal öffne ich ein Türchen des Grünraums Blogadventskalender – eine Geschichte, die sich von Tag zu Tag, von Türchen zu Türchen, von Blog zu Blog weiterschreibt und am 24. Dezember ihr Ende findet. Unser #bks11 Jahrgang ist dabei und weitere Schreibende.

Was bisher geschah?

Und bei Renate endete es gestern so:

Keine Frage, das kleine Mädchen vor ihr war sie selbst! Henni im Kleinformat. Beim Erklimmen der Leiter hatte sie es ja schon bemerkt, die Falten waren nach und nach verschwunden, mit jeder Stufe war sie jünger geworden. Sie war verwirrt und gleichzeitig tief berührt, ihr eigenes Ich auf Kindesbeinen vor sich zu sehen. Und dazu noch ihre geliebte Oma! Wie hatte sie sie all die Jahre vermisst. Oma, das bedeutete zuhause, Wärme, Liebe.

Mit den Beiden kamen ihre Erinnerungen und die damit verbundenen, warmen Gefühle wieder hoch. Sie schloss die Augen. War es nur ein Traum? Konnte das Wirklichkeit sein? Sie atmete tief durch, einmal, zweimal. Sie hielt inne. Sie zwickte sich in den Arm. Autsch! Dann schlug sie ihre Augen wieder auf.

Die Situation war unverändert. Ihre Oma und sie als kleines Mädchen. Ganz deutlich vor ihr. Noch voller Neugier und Freude, dem Leben vollkommen zugewandt. Mit der Unbeschwertheit eines Kindes und einem seligen Lächeln auf den Lippen. Was hatte das alles nur zu bedeuten… die Frau am Bus, die Leiter auf der anderen Seite, ihr todesmutiger Sprung, und jetzt dies. Auf jeden Fall fühlte sie sich in diesem Moment sehr beschützt und geborgen.

Sie sog dieses Gefühl in sich auf, sie spürte es in jeder Faser ihres Körpers. Und etwas in ihr wurde heil. Auch wenn sie nicht alles verstand, was geschehen war, seit sie die Leiter betreten hatte. Darauf kam es nicht an. Das, was sie erlebte, geschah auf einer anderen Ebene, war nicht mit dem Verstand zu erfassen. Wieder schloss sie die Augen, in ihrem Ohr hallte das klare Kinderlachen und das Summen ihrer Großmutter.

In ihr war es friedlich, ruhig geworden. Sie überließ sich diesem Zustand und ließ sich fallen. Lange Zeit schwebte sie einfach im Nirgendwo. Dann fühlte sie einen sanften Griff um ihre Taille.

„Huch! Was ist das denn?“, entfuhr es Henni.

„Keine Angst, ich hab dich.“, beruhigte sie die wohlvertraute Stimme, die mal von unten und mal von oben zu hören war. Henni öffnete die Augen und sah den Weihnachtsmann. Mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht damit! Träumte sie noch? Wo war sie gelandet?

 

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Himmelssternenleiter

Dieser Beitrag ist das 9. Türchen von

Grünraums Blog-Adventskalender 2019 – Stairway to Heaven

Auch dieses Jahr gibt es ihn wieder: Grünraums Blogadventskalender – eine Geschichte, die sich von Tag zu Tag, von Türchen zu Türchen, von Blog zu Blog weiterschreibt und am 24. Dezember ihr Ende findet. Unser #bks11 Jahrgang ist dabei und weitere Schreibende.

Was bisher geschah?

Und bei Sabine endete es gestern so:

Henni erschrak so sehr, dass sie die Tüte mit den Orangen fallen ließ.
„Autsch, verflucht nochmal, mit was werfen Sie denn nach mir?“, schimpfte die Stimme nach oben.

„O shit, Henni, da haben wir mal wieder etwas angerichtet. Was machen wir jetzt nur? Runter geht nicht mehr und hoch …?“ Sie schaute langsam nach oben und ihr wurde prompt schwindlig. „Wir schauen wieder runter und in die Sterne.“
„Tschuldigung, das waren Orangen!“, rief Henni nach unten. „Hier geht es gerade nicht weiter.“
„Orangen? Sie nehmen Orangen mit auf d-i-e-s-e Leiter? Ich glaub‘ es nicht!“ Die Stimme schien mit dem Kopf zu schütteln, zumindest klang es so.
„Henni, unsere beste Taktik im Leben ist schon immer ablenken gewesen. Das können wir, oder?“, flüsterte Henni und nickte. „Haben Sie d-a-s auch gesehen?“, fragte Henni nach unten und schaute noch einmal in die Sterne unter ihr. Die veränderte nächtliche Skyline der ihr sonst so vertrauten Stadt war geblieben und nicht verschwunden.
„Natürlich, was glauben Sie, wieso ich diese Leiter hinaufkraxele und mich sogar mit Orangen bewerfen lasse?“, lachte die Stimme laut und dröhnend.

„Jetzt bin ich gespannt“, sagte Henni zu sich. „Der da unten weiß anscheinend mehr als ich.“ Laut rief sie hinunter:

„Ja, klar, dann haben wir ja denselben Anlass. Tschuldigung noch mal wegen der Orangen. Ähm, wollen Sie nicht erstmal zu mir hochkommen?“

„Würde ich ja gerne, aber mir scheint, dass Sie die Regeln nicht so sicher beherrschen, sonst wüssten Sie, dass immer 10 Stufen Abstand zwischen zwei Personen gehalten werden müssen. Sonst klappt das mit dem Altersabständen nicht.“

Henni verstand nur Bahnhof. Altersabstände? Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Muskeln straff und trainiert waren, dass sie lange Haare hatte und ihre Augen alles bestens scharf sehen konnten. Sie schaute ihre Hände an: Keine Runzeln und Falten mehr! Ihr blieb der Atem weg.

„Na, was ist denn jetzt, gehen Sie weiter?“, dröhnte es wieder von unten. „Ich will nicht ewig bei 79 Jahren verharren!“

 

Wie es weitergeht, erfahrt Ihr Morgen bei Sonja. Hier geht das nächste Türchen am 19.12. auf.