Durst

Ich habe Durst, ich hab noch Träume,
will nicht so schnell zufrieden sein.
Ich habe Durst, wo ist die Quelle
für echtes Leben gegen den Schein.

(Günter Mahler)

Der Text dieses Liedes, das in den 1990er Jahren das Themalied eines Jugendtreffens war, ist heute noch aktuell, auch wenn die Sprache etwas vergilbt ist. Wo ist die Quelle gegen den Durst?

Nein, zwei Schritte zurück. Nehme ich den Durst überhaupt wahr? Wie zeigt sich mein Durst nach Leben, nach dem Me(e)hr meiner Träume? Bei mir hat es lange gedauert, bis ich in meinem Getriebensein, meiner Genervtheit und Unruhe überhaupt den Durst wahrgenommen habe, das Bedürfnis, dahinter zu sehen. Vielleicht reichte auch bisher alles, was ich zu mir genommen hatte, um mich zufrieden zu stellen. Aber dann kam der Punkt, an dem mehr Geben als Nehmen spürbar war, leer laufen, auf dem Trockenen liegen, ausbrennen als die letzte Konsequenz.

Erst dadurch, dass ich gelernt habe, intensiv auf meinen Körper zu hören, habe ich wahrgenommen, was mein Körper überhaupt braucht. Wie geschafft ich bin und wie viel Saft verloren geht. Focusing hat mich mit meinen Körperinnenräumen in Kontakt gebracht. Ich habe erfahren, auf die leisen Töne und Botschaften meines Körpers zu hören. Und war überrascht, wie viel er mir zu sagen hat! Seine Sprache lerne ich immer noch, aber ich bin geübter, darauf zu achten. Focusing hat mich also in Kontakt mit dem Durst gebracht, den mein Körper mir signalisierte.

Wie finde ich heraus, wonach ich Durst habe? Wie kann ich in mir forschen, fühlen, in mich hineinschauen? Was ist das für eine Sehnsucht? Was ist eigentlich ungestillt?

Und: Was füllt meinen Tank wieder? Wo wird mein Durst gelöscht? Wo ist die Quelle für echtes Leben gegen den Schein?

Bachlauf_ch
Bachlauf, C. Henkel

Mein Durst besteht darin, Ich selbst zu sein und ich selbst zu werden. Verwandlung in mein wahres Selbst. Was nährt dieses Selbst? Das Wasser aus einer Quelle, die nie versiegt. Eine Quelle der Liebe und Barmherzigkeit, der Gnade und Wahrheit.

Ich lade zu einer Übung ein: Wenn Du heute Durst verspürst, halte kurz inne und spüre nach, ob da auch eine Sehnsucht nach mehr als einem Schluck Wasser ist. Wonach hast Du Durst?

Reflexion: Was stillt meinen Durst?

6 Kommentare zu „Durst

  1. Liebe Christiane,
    woher hast du nur diese schönen Bilder? Das fällt mir an deinem blog besonders auf, die Bilder ziehen mich hinein in das jeweilige Thema und hallen gemeinsam mit den Worten in mir nach.
    Ja, mich dürstet, das kenne ich auch und werde deiner Übung wie immer nachspüren.
    Liebe Grüße
    Hedda

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    1. Liebe Hedda,
      es freut mich, dass Dir die Bilder gefallen! Ich habe bei jedem Bild hinterlegt, woher es ist. Einige habe ich bei anderen Fotografen gefunden. Und andere sind von meinem Mann und von mir. Eigentlich ist mein Mann der Fotograf in der Familie. Gerade am Samstag hat er wieder mal ein paar seine Fotos ausgestellt! So schön! Ich frage ihn daher immer als erstes, ob er passend zu meinem nächsten Thema ein Bild hat.
      Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen mit meinen Übungen!
      Liebe Grüße
      Christiane

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  2. Liebe Christiane,
    das was Du für den Durst beschreibst kenne ich eher im Zusammenhang mit Hunger. Wenn ich manchmal meine Hunger zu haben, dann macht mich Essen nicht wirklich satt. Da ist dann eine anderer „Hunger“, den es zu erforschen gilt. So wie Du es als Sehnsucht nach dem Wasser beschreibst, gibt es auch Sehnsucht nach innerer Nahrung.
    Liebe Grüße
    Anne

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  3. Liebe Christiane,
    wie Du ja sicher schon gesehen hast, habe ich diesen deinen Post gleich bei mir verlinkt, weil ich fand, dass wir thematisch mal wieder so gut zusammenpassen. Du ergänzt meine Reflektionen so wunderbar um eine sinnliche Komponente, die ja gerade bei der Wiederentdeckung des eigenen Wesenskerns so wichtig ist. Dankeschön!
    lg. mo…

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  4. Liebe Christiane
    Jetzt kommt wieder die Zeit, wo man Durst hat. Aber der Durst nach Leben an der Sonne auch schneller gestillt werden kann. Mir gefällt Deine Frage: Wo ist die Quelle für echtes Leben gegen den Schein? Wohl eine der uns ewig antreibenden Fragen. Blende ich gerade wieder nur oder fühle ich? Spiele und spiegele ich mir was vor? Ist der Blick auf mich wieder mal überbeleuchtet?
    Mein Durst stillt: Die Ruhe der Natur, Tanzen, Kulturangebote.
    Herzlich, Urs

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