Es ist gelungen

Der Tag, an dem meine Seele nickt und sagt: Es ist gelungen.

Ich wache auf und sehe (in) den Himmel.
Meine Hand liegt in einer anderen Hand, die Berührung nährt und tröstet.
Die Bilder und Gefühle der Träume der Nacht fließen durch meinen Körper und ziehen weiter.

Aus der ersten Tasse Tee werden drei, weil ich sitzen bleibe, zuhöre, schreibe, schweige, da bin, sehe, ansehe, gesehen werde.

Ich begegne der Natur im Spüren, Sehen, Hören, Aufmerksamsein, Beobachten, Atmen.

Mein Hände berühren. Es fließt durch mich hindurch.
Weiter. Dahin, wo es gebraucht wird.

Vom Schmerz bleibt eine lebendige Erinnerung.
Die lebendige Erinnerung an den Schmerz verbindet mich.
Mit der Welt. Mit anderen.

Ich sitze in einem Kreis, vielleicht virtuell, vielleicht leibhaftig.
Es ist nicht wichtig, dass die anderen ihn sehen.
Ich sitze in einem Kreis.

Ich werde bleiben und gehen.
Der Raum in mir umfasst alles.

Ich bin da.
Es geschieht.

Übergang

Die Sehnsucht lockt mich in die Ferne

Das Vergangene
möchte
gesehen und gewürdigt werden
Aus der Fülle
schöpfen und loslassen
Das Gewordene
steht
an der Schwelle
Wohin geht es?

Ich bin in der Mitte.
Dort wächst
die Ruhe
und der Frieden
Ich bin da
Genährt
Ganz

Die Sehnsucht zieht mich in die Ferne

Ich gehe
mutig
mit geschlossenen Augen
zum Ziel
Dort ist mein Herz

Ich bestimme das Tempo
Der Rhythmus des Lebens
gibt den Takt
Ich gehe vorwärts
Ich gehe rückwärts
Ich lasse los
Ballast fällt ab
Ich gehe leichter
Der Wandel geschieht
Die Schwelle ist überschritten
Das Zögern vorbei

Ich bin da

Bewegt in meiner Mitte
Aufgehoben im Atem der Welt
Der nächste Schritt genügt
Es geht hin und her
und doch voran
Der Körper weiß die Richtung
Loslassen
Mein Los annehmen
Mich mitnehmen

Atmen
mit dem Atem
der Welt

Parallel-Leben

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Rainer Maria Rilke

Ich wünsche mir ein Parallel-Leben – so habe ich es vor Kurzem formuliert, als ich merkte, dass ich gerade das, was mir eigentlich wichtig ist, nicht verwirkliche. Weil mein Leben schon so voll ist. Weil ich 1000 andere Sachen mache. Weil ich den Kontakt zu mir verliere. Weil meine Pläne von vorgestern meinen Tag heute füllen.

Hach, was würde ich alles in meinem Parallel-Leben tun und erleben! Ich würde ausschlafen und geruhsam in den Tag starten. Eine zweite Tasse Tee am Frühstückstisch trinken. Meine Runde in der Natur genießen. Lesen und Musik hören. Auf dem Markt einkaufen und mich mit Freundinnen treffen. Podcasts kreieren. Räume zum gemeinsamen Schreiben gestalten. Focusing anleiten und Menschen begleiten. Ein Buch schreiben. Tanzen. Improtheater spielen und Klavier.
Und manchmal, vielleicht ja immer öfter, schwappt etwas aus dem Parallel-Leben ins richtige Leben rüber und ich lächle.

Wovon träumst Du in Deinem Parallel-Leben? Oder verwirklichst Du es schon?

anvertrauen

Mich dem Leben anvertrauen

Wie geht das eigentlich? Ich fühle in mir die Gleichzeitigkeiten meines Lebens und der Welt. Ich übe mich darin, sie zu halten. Das Vertrauen in das Leben ist noch mehr als das, spüre ich. Es ist eine Hingabe, ein Hineinfallen ohne Furcht und Ambitionen. Ich habe noch kein Bild davon, was dann ist, wie ich dann bin und was ich dann tue. Ja, ohne Tun – oder doch mit Handeln?

Mich dem Leben anvertrauen

Dem Leben. Meinem Leben? Dem größeren Ganzen? Dem Leben an sich?
Das Leben ist ein Geschenk. Der Atem. Der Herzschlag. Der Boden unter meinen Füßen. Der Himmel über mir. Ein (häufig sogar) gutes Essen. Ein warmes Zimmer.
Menschen, mit denen ich verbunden bin.
Musik, Tanz und Liebe.

Mich dem Leben anvertrauen

Anvertrauen. Mein Vertrauen an etwas an-legen. Anschmiegen. Mich an das Leben anlehnen.
Gehalten sein von der Unendlichkeit. Den Anker in die Luft werfen. Andocken an die Ungewissheit.
Mich überlassen. Mich abgeben. Mich anbefehlen. Mich anheimgeben.
Mit zitternden Knien. Mit Mut.
Durchatmen. Ruhig werden.

Mich dem Leben anvertrauen

Was vertraue ich dem Leben an? Mich. Mein Sein. Ohne Maske. Ehrliche Worte. Unverblümte Direktheit. Durchsichtig sein. Offenbar werden. Die Freiheit ich selbst zu sein. Die Bürde ich selbst zu sein.
Nichts anderes als ich selbst sein.

Mich dem Leben anvertrauen

Und dann? Der Weg bleibt offen. Ungewiss. Vielfältig. Von Augenblick zu Augenblick.
Nicht ziellos. Nicht wahllos.
Die Richtung?
Dazwischen. Mittendrin. Jenseits davon.

Mich
dem
Leben
anvertrauen

Gleichzeitigkeit

Innen und Außen
Kraft und Erschöpfung
Ruhe und Bewegung
Stärke und Müdigkeit
Rückzug und Bühne
Mut und Verzweiflung
Zwang und Freiheit
Abenteuer und Sicherheit

allein und gemeinsam
vielstimmig und eindimensional
unentschlossen und klar
mitreißend und zurückgezogen
autonom und abhängig

aufhören und anfangen
festhalten und loslassen
verabschieden und ankommen
schweigen und reden
tanzen und innehalten

laut und still
typisch und besonders
neu und vertraut
stimmig und gebrochen
verletzt und heil
furchtlos und zögernd
neblig und bunt

Foto von Natalia Y. auf Unsplash

Der große Gesang vom Ich

Mein Beitrag heute ist eine Momentaufnahme, inspiriert durch ein Gedicht von Rilke:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

R. M. Rilke

Der große Gesang vom Ich*

„Der große Gesang vom Ich“ weiterlesen →

Blumenbilder mit Botschaft

Vor Kurzem habe ich auf einer Konferenz zwei Menschen getroffen, die mir auf Instagram folgen und mir zurückgemeldet haben, dass sie von mir immer so viele Blumenfotos in der Story sehen. „Noch ein Makro… scroll, scroll„. Das ist mir nachgegangen. Da habe ich gedacht, dass ich mal teilen möchte, was die Blumenbilder mir bedeuten, und mit welchem Ziel ich die Bilder auf Insta poste. Hier meine Gedanken dazu.

Blumen sind wie Musik. Sie haben eine Schönheit an sich. Ich freue mich an ihnen. Sie rühren eine andere Ebene in mir an, weil sie nichts von mir wollen. Sie sind so zwecklos, sie sind einfach schön. Dazu üppig, großzügig, strahlend bunt, selbstvergessen, uneigennützig – kein Wunder, dass Jesus auch die Blumen auf dem Feld als Bild herangezogen hat für ein sorgloses Leben im Augenblick. Ja, Musik ist auch komponiert, arrangiert, es gibt Profis, die kunstvoll Musik gestalten, das kann nicht jeder. Und doch liegt der Zauber oft in dem Dazwischen, zwischen den Musizierenden, zwischen mir und den Tönen und dem gesamten Kontext, in dem ich die Musik höre. Für mich ist die Blumenrunde ein Moment des Eintauchens in das zweckfreie Schöne.

Meine Blumenrunde entspannt mich. Ich bin ein sehr aktiver, ja vielleicht auch manchmal getriebener Mensch. Ich lerne zu verstehen, dass „aktiv und beschäftigt sein“, so die Bezeichnung eines Motivators, auch eine Schattenseite hat. Was möchte ich nicht anschauen, wenn es mal ruhig um mich herum wird? Wem oder was begegne ich (in mir), wenn ich nichts denke, plane, vorbereite, tue…? Ich musste Entspannung wirklich lernen. Ich bin da auf einem Weg und der aktuelle Schritt ist, dass ich mir Entspannung einplane, ich brauche dafür z.B. meinen Qigong-Kurs, meine Biodanza-Gruppe und meine Rituale bzw. Routinen im Alltag. Sonst greife ich zum Handy oder gehe einfach schlafen. Meine Runde ist eine aktive Entspannung. Entstanden ist sie ursprünglich mit einer Fitness-App, mit der ich Übungen gemacht habe und regelmäßig zum „Gehen“ aufgefordert wurde. Da ich Laufbänder und Fitnessstudios nicht mag, bin ich für dieses Gehen eben rausgegangen. Und nachdem ich das eingeübt habe, ist es heute wirklich ein Bedürfnis meine Runde zu laufen. Weil sie mich entspannt, weil ich mich bewege, weil ich draußen bin, weil ich nichts selbst tue, also nichts produziere oder schaffe. Ich will diese Runde gehen, weil sie mich entspannt, sie mich runterbringt, ich mich spüren kann: meine Energie, meine Erschöpfung, meine Traurigkeit, meine Wut usw. Es dasein lassen. Diese Runde ist Teil meiner Selbstfürsorge: Ich achte auf mich und tue mir Gutes. Ich nehme mich ernst, mein Bedürfnis nach Zeit für mich und meine zweckfreie Entspannung. Daher: Feiert mit, wenn Ihr meine Fotorunde seht, denn es ist ein Tag, an dem ich das gelebt habe.

Die Blumen und ich sind eins. Im letzten Jahr habe ich einen Focusing-Kurs zu „Umweltzentriertem Erleben“ mitgemacht. Wir haben uns mit der Natur verbunden und gespürt, was es bedeutet, dass wir nicht getrennt sind: Da sind wir (Menschen) und dort ist die Umwelt. Gendlin, der Begründer von Focusing, hat es so ausgedrückt: Wir sind auch Pflanzen.

Wir sind auch Pflanzen. Wir haben, so wie sie, einen Körper aus Zellen, einen organismischen Prozeß. Dieser Körper lebt, und nicht nur deshalb, weil wir mit diesem Körper herumgehen. Nein, auch im Körper selbst geht alles mögliche vor sich. Und das, was da vor sich geht, geht nicht nur im Körper vor, sondern es ist immer unmittelbare Interaktion mit der Umwelt. (Gendlin, Pflanzenkörper, Tierkörper, Menschenkörper)

Indem ich rausgehe und mit den Pflanzen bin, bin ich vollständiger. Ich lasse mich erinnern, dass ich nicht getrennt bin von der Pflanzenwelt und dass das Wissen, das eine Blume in sich hat, auch in mir vorhanden ist. Der Pflanzenkörper hat alle Informationen in sich, die die Pflanze wachsen und sich entfalten lassen. Auch in meinem Körper ist dieses Wissen da und es geschieht darin ganz viel von allein. Wenn ich mich mit dem körperlichen Felt Sense verbinde, sind mir all diese Informationen zugänglich. Blumenzeit ist also auch Focusing-Zeit.
Auch Andreas Weber entfaltet diese Verbindung in seinem Buch „Lebendigkeit – eine erotische Ökologie„. In einem Radiobeitrag hat er von der beseelten Natur gesprochen. Wenn Du da tiefer einsteigen willst, hör Dir gerne den Beitrag an oder lies meinen Post auf Insta vom Juli 2024.

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Hinhören

Etwas Neues ist entstanden.
Seit November 2022 nehme ich Selbstgespräche auf zu Gedanken und Gefühlen, die mich gerade beschäftigen. Ich spreche, während ich in mich hineinspüre, und webe darin auch meine Erfahrungen und Kompetenzen in Persönlichkeitsentwicklung, Focusing und Spiritualität ein. Eine allererste Version habe ich unter „Fenster schließen“ hier schon veröffentlicht. Nun werde ich diese Gespräche in meinem Podcast „Der Raum in mir“ veröffentlichen. Jetzt geht es richtig los, juhu!

Hier teile ich die Beschreibung, worum es gehen wird. Unten kannst Du direkt reinhören.

Fragst du dich manchmal: Was bewegt mich wirklich?
Wie kann ich mich selbst besser spüren?
Wie finde ich Worte für das, was in mir lebendig ist – auch wenn ich es noch nicht ganz greifen kann?

„Hinhören“ weiterlesen →

Hoffnungsvoll Scheitern

Stets aufs Neue scheitern.
Es wird wieder geschehen.
Das Erreichen der Unzulänglichkeit.
Der Verlust der Kontrolle.
Die Grenze des Machbaren.
Das Eingeständnis von Unwissenheit.

Das Loslassen ins Nichts
Auferstehen in Freiheit
Alles hinter mir lassen
Den unendlichen Augenblick größer werden lassen
Ich löse mich auf im Jetzt
Ich bin mit allem verbunden
Mich verlieren im Meer der Unendlichkeit

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