Inspiriert von einem Gedicht von R.M. Rilke stimme ich den Großen Gesang vom Ich an.
Stimmen im Raum
Ich suche den Raum,
wo keiner mehr spricht.
Ich höre so viele Stimmen in mir,
Stimmen von außen,
Stimmen von innen,
die mir alles Mögliche
lauter oder leiser
einflüstern:
Hoffnungsvoll Scheitern
Stets aufs Neue scheitern.
Es wird wieder geschehen.
Das Erreichen der Unzulänglichkeit.
Der Verlust der Kontrolle.
Die Grenze des Machbaren.
Das Eingeständnis von Unwissenheit.
Das Loslassen ins Nichts
Auferstehen in Freiheit
Alles hinter mir lassen
Den unendlichen Augenblick größer werden lassen
Ich löse mich auf im Jetzt
Ich bin mit allem verbunden
Mich verlieren im Meer der Unendlichkeit
Jahresrückblick 2024: Es gut sein lassen
Seit ein paar Tagen lese ich meine Tagebücher und Kalender, um auf mein Jahr zurückzublicken. Ich ernte Worte und Sätze, Fotos und Erinnerungen: Mich hingeben an das Leben. Lockern, was nicht mehr hält. Um meiner Selbst willen. Meine Energie da reingeben, wo genau das herauskommt, was mich nährt. Die Gleichzeitigkeit von Verletzlichkeit und Kompetenz. Entwachsen. Meine berufliche Vision: Ich sehe mich in Gruppen, kollegial, leitend, lehrend, vielfältig, moderierend. 2024 habe ich einiges neu angefangen. Meine JAhr-Worte: herzverbunden, Sprungkraft/Absprung und WEG. Jetzt lasse ich es gut sein. Hier die Langfassung:
Zu Kräften kommen
Mein Jahresanfang war von Erschöpfung geprägt. Der Winter ist eh nicht meine Zeit, Dunkelheit und Kälte führen dazu, dass ich mich bewusst aktivieren muss, um genug Energie zu haben. Das war von Januar bis März besonders herausfordernd. In dieser Zeit ist der Gedanke gewachsen, dass ich etwas an meiner beruflichen Situation ändern will. Aber solange ich krank und erschöpft war, wollte ich keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Ich habe viele Hilfe- und Unterstützungssysteme aktiviert: Qigong, Osteopathie, Somatic Experience, Supervision, partnerschaftliches Focusing, Spaziergänge und Cafébesuche mit Freundinnen.
Ich werde sterben: Worin liegt die Freiheit im Zerbruch?
Gründonnerstag. Eine meiner Supervisionssitzungen, die ich im 2. Quartal hatte, ließ mich den Geschmack von Endlichkeit spüren. Ich habe symbolisch einen Schritt über eine Schwelle gemacht, fand mich in einem Korridor mit Türen rechts und links wieder, die mich aber nicht gelockt haben. Der Weg führte mich geradewegs auf eine Glastür am Ende des Ganges zu. Beim Blick hinaus spürte ich: Ich werde sterben. Mich schauderte. Beim zweiten Blick durch das Fenster sah ich die ersten Knospen, hörte Vögel singen, roch den Duft von Bärlauch – es ist Frühling! Das Samenkorn fällt in die Erde und stirbt, bevor es neue Frucht bringt. Etwas in mir musste sterben. Es fühlte sich an wie an einem dunklen Ort. Da war noch nichts zu sehen. Ich musste mich von einem Bild von mir verabschieden, damit Platz für Neues entstehen konnte.


denkst du manchmal, du wurdest begraben.
Vielleicht wurdest du gepflanzt.
Blühe!
Neues und Neuanfänge
„Jahresrückblick 2024: Es gut sein lassen“ weiterlesenKontraste
Nur, wo es dunkel ist, scheint das Licht.
Licht ist gebündelte Energie.
Ich bin tagtäglich von Energie umgeben.
Mit dem Brennglas das Licht bündeln,
entfacht ein Feuer.
Langsam
Heute bin ich langsam
wie durch Nebel greife ich nach dem Tag
er entzieht sich
Das Denken stockt
als ob es vor dieser unsichtbaren Tür
stehen bleibt und nicht weiter kann
Die Gefühle stehen im Stau
ein Auffahrunfall nach dem anderen
Dicht an dicht kommen sie nicht weiter
Bewegungslos
verharre ich zu lange
eingefroren gelähmt erstarrt
Die Kraft der Verbundenheit
Die Texte des heutigen Beitrags sind bei einer Schreibwerkstatt mit dem Thema „Die Kraft der Verbundenheit“ entstanden. Der Impuls für diese Texte lautete, eine „flammende Rede für die Zukunft der Gemeinschaft“ zu schreiben. Eine Utopie, ein Fragment, eine Einladung mitzumachen, sich mitreißen zu lassen. Heute teile ich einige dieser Texte. Vielen Dank an die Autorinnen!
Manifest für eine radikale Mitte
Wir brauchen eine Diskussionskultur
Eine Kultur, in der wir
Gemeinsamkeiten finden
In der wir uns einig werden
Gemeinsame Nenner finden
kleine,
GROSSE.
Uns gemeinsam auf den Weg machen
Miteinander
Mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden
aber:
Gemeinsam
Eine Kultur, in der ein Dialog ermöglicht wird.
Begegnungen auf Augenhöhe
Ein bemühtes Zuhören
Ein Anerkennen des Anderen und
Gleichzeitig eine Kultur, in der wir uns
EINIG
Sind über Regeln für ein gutes Zusammenleben
Ein MITEINANDER
von Gabriele Friesen (insta: ankommen_mit_dem_wort)
Flammende Rede zur Verbundenheit mit anderen
„Die Kraft der Verbundenheit“ weiterlesenVerloren
Manchmal
gehe ich mir
verloren
Ich suche mich
irre herum
orientierungslos
Wo bin ich?
Unruhig
schweife ich umher
ziellos
Mit dir sein
Ich möchte eine Ermutigerin sein
sehen, was in dir steckt
dir ausmalen, was werden kann
dich gehen lassen
in deinem Tempo
Mir selbst auch eine Ermutigerin sein
Ich möchte eine Ermöglicherin sein
deine Potenziale hervorlocken
Hindernisse aus dem Weg räumen
Gelegenheiten geben
dich auszuprobieren
Auch mir selbst eine Ermöglicherin sein
Ich möchte eine Begleiterin sein
die Kraft der Gemeinschaft erleben
Seite an Seite den Weg gehen
Geleit geben für das noch Ungelebte
in den nächsten Raum aufbrechen
Auch mir selbst eine Begleiterin sein
Ich möchte eine Wohlwollende sein
zum Wohlergehen beitragen
dich zum Wollen befähigen
loslassen, was das Wohl verhindert
dabei bleiben, auch wenn es schwer ist
Auch mir selbst eine Wohlwollende sein
Ich möchte eine Unterstützerin sein
manches lässt sich nicht allein tragen
der zarten Pflanze einen guten Boden geben
den Grund festigen, auf dem du stehst
Halt geben, wenn der Boden wankt
Auch mIr selbst eine Unterstützerin sein
Ich möchte eine Trösterin sein
den Schmerz gemeinsam aushalten
deine Hand halten und schweigen
dabeibleiben ohne Worte
in das Licht des Morgengraus eintauchen
Auch mir selbst eine Trösterin sein
Ich möchte eine Partnerin sein
dir auf Augenhöhe begegnen
geben und nehmen leben
Hand in Hand unterwegs sein
dich so sein lassen, mich so sein lassen
Auch mir selbst eine Partnerin sein
Ich möchte eine Kreative sein
den Ideen freien Lauf lassen
aus der Quelle schöpfen
dem Kribbeln nachgeben
den leuchtenden Augen folgen
Auch mir selbst eine Kreative sein
Ich möchte eine Klare sein
offen sein für Durchblick
durchsichtig und unverblümt
aussprechen, was sich in mir formt
entschlossen dem Nicht-Wissen vertrauen
Auch mir selbst eine Klare sein
Ich möchte eine Innovatorin sein
das Neue sichtbar machen
Altes hinter mir lassen
den Blick in die Zukunft wagen
von dort aus die Gegenwart gestalten
Auch mir selbst eine Innovatorin sein
Ich möchte eine Initiatorin sein
ungeahnte Möglichkeiten erspüren
zum Aufbruch einladen
mitreißen und begeistern
anstecken für das noch nicht Dagewesene
Auch mir selbst eine Initiatorin sein
Ich möchte eine Visionärin sein
Ungeahnte Möglichkeiten erkunden
das Morgen vor Augen führen
die Zukunft ins Jetzt holen
die Zeit aussetzen
Auch mir selbst eine Visionärin sein
Ich möchte eine Bewegerin sein
Anschwung holen
Anlauf nehmen
den Absprung wagen
mit Leichtigkeit fließen
Auch mir selbst eine Bewegerin sein
Ich möchte ein Ruhepol sein
einfach mal nichts
in der Stille verweilen
dich lassen, mich lassen
in der Tiefe die Fülle spüren
Auch mir selbst ein Ruhepol sein
Foto by Christiane Henkel
Moment
Den Moment halten
geht nur so lange wie
die Luft anhalten
Dann zieht er weiter
und mit ihm
die Gefühle
die Gedanken
die Empfindungen
die Wahrnehmungen
Was bleibt ist
eine innere Spur
die ein Pfad
werden kann
ausgetreten
breiter werdend
Ein Weg
auf dem ich
mich wiederfinde
im nächsten Moment
Das Pendeln
zwischen dem
immer Gleichen
und dem
immer Neuen
von Moment zu Moment
Gibt es irgendetwas
anderes
als mich
dem Moment
zu überlassen?
Foto by C. Henkel
Vorahnung
Heute ist der Abend
der Vorahnung
Noch einmal zusammensitzen
noch einmal gemeinsam essen
noch einmal ein Blick in die Runde
noch einmal die Freundinnen und Freunde um mich herum
noch einmal die Gemeinschaft genießen
Ich gehe meinen Weg
ich lasse hinter mir
was mich nicht mehr hält
ich trete über die Schwelle
ich atme ein
ich atme aus












