Jetzt!

Jetzt! – Die Kunst im Augenblick zu sein. Das Buch von Eckart Tolle mit dem Titel „Jetzt“ hat mich nachhaltig beeindruckt. Es erdet sehr, weil es deutlich macht, dass immer im Augenblick gelebt wird.  Mein Kopf kann in die Zukunft und Vergangenheit reisen, an anderen Orten oder in erfundenen Welten unterwegs sein – mein Körper ist immer im Jetzt. Die Achtsamkeitsbewegung hat diesen Ansatz aufgenommen und lädt mit Meditation und Körperübungen ein, im Jetzt zu sein. Jetzt in diesem Moment habe ich keine Sorgen, weil ich hier am Küchentisch sitze und schreibe. Jede Entscheidung, die ich treffe, treffe ich in dem Moment und kann im nächsten Augenblick anders entscheiden.

Die Gegenwart ist die Zeit, präsent zu sein, ganz da sein, in mir und mit anderen zu sein. Wenn ich bemerke, dass meine Gedanken schon wieder woanders sind, ist das ein Moment von Achtsamkeit. Dann kann ich wieder zurückkommen zu meinem Körper, z.B. über die Atmung, oder über meine Sinneswahrnehmungen: was höre, rieche, fühle ich gerade? Wahrnehmen und wieder loslassen.

Wenn du deine Aufmerksamkeit soviel wie möglich im Körper hältst, dann bist du im Jetzt verankert. (…) Statt dich geistig vom Jetzt wegzubewegen, gehe tiefer ins Jetzt, indem du tiefer in den Körper gehst.
Eckart Tolle, Jetzt!, S. 142-143

Gerade komme ich von einer 5-tägigen Focusing-Weiterbildung. Ich bin noch randvoll mit guten Erfahrungen, die ich noch Jetzt spüre. Wenn ich geübt bin, kann ich mit nur einem Atemzug ganz präsent sein, mich „einschalten“, innerlich das „Licht anmachen“, wie mein Ausbilder Klaus Renn zu sagen pflegt. In der Begegnung miteinander kann so ein Moment sich ausdehnen, ist nicht gebunden an die fortschreitende Zeit. „Zeit ist immer ein Raum“, sagte Klaus. Da diese Aussage so wunderbar hier auf meinen Blog passt, bringe ich sie ganz taufrisch mit.

Im Focusing wenden wir uns der körperlichen Gegenwart bewusst zu. Wenn ich meine Aufmerksamkeit nach innen richte, nehme ich vielleicht ein vages, unbestimmtes Körperempfinden wahr, im Focusing der „Felt sense“ genannt. Vielleicht hängt es mit einem Thema zusammen, das mich gerade beschäftigt. Oder mit einer Begegnung, die ich gerade hatte. Dieses körperliche Emfpinden ist implizit, ist noch nicht in Worte gefasst, die dazu passen.

Focusing und Focusing-Therapie handeln von der Kunst, diese körperlichen Erlebensebene in Verbindung mit einem bestimmten Thema dem Klienten bewusst zugänglich zu machen. (…) Ihr Körper weiß etwas, das Sie bewusst noch nicht sagen können. Sie spielen vielleicht alle möglichen Namen und Begriffe durch. Fällt Ihnen dann der richtige ein (…), macht sich Erleichterung breit. (…) Diese kleine Geburt, dieser magische Moment beteiligt Denken, Fühlen, Spüren. Der gesamt Körper, der vorher die Anspannung des noch nicht Ausdrückbaren erlebte, erfährt jetzt im bewussten Gewussten eine Erleichterung.
Klaus Renn, Magische Momente, S. 10/11

Ich lade zu einer Übung ein, die ich bei Eckart Tolle gefunden habe (S. 150): Lege dich bequem hin, z.B. vor dem Einschlafen oder morgens nach dem Aufwachen. Mit geschlossenen Augen wähle bestimmte Körperteile und wende deine Aufmerksamkeit dorthin: Hände, Füße, Arme, Beine, Bauch, Brust, Kopf usw. Fühle in jedem Körperteil die Lebensenergie, so intensiv du kannst. Vielleicht fühlst du Pulsieren, Wärme oder Kribbeln. Verweile für jeweils  fünfzehn Sekunden bei jedem Körperteil. Nun lass deine Aufmerksamkeit wie eine Welle durch den ganzen Körper fließen von den Füßen zum Kopf und umgekehrt. Der Atem kann die Geschwindigkeit vorgeben. Fühle dann den inneren Körper als einziges Energiefeld. In diesem Gefühl bleib ein paar Minuten. „Sei äußerst gegenwärtig, gegenwärtig in jeder Zelle deines Körpers.“

Reflexion: Welche Energie spürst Du in Deinem Körper? Jetzt!

10 Kommentare zu „Jetzt!

  1. Hat dies auf Mia.Nachtschreiberin. rebloggt und kommentierte:
    Liebe Christiane,
    Zeit als Raum und innerlich das Licht einschalten, da sein, das sind meine heutigen Lieblingsstellen in deinem Beitrag, der durch das wunderschöne Foto ergänzt wird, weil Orte am Wasser, vor allen Dingen die Weite am Meer, für mich diese Magie bereits in sich tragen …
    So, wie wir die Magie längst in uns haben, jetzt hier im ersten Moment des frühen Morgens …
    einen schönen guten Morgen,
    liebe Grüße,
    Mia

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  2. Liebe Christiane,
    dieses Foto gefällt mir so gut. Es strahlt Ruhe und Beständigkeit aus Die Felsen waren schon ganz lange da und werden noch lange da sein. Das Meer ist zwar in seiner Erscheinungsform veränderlich, aber auch immer da. Da kann man sicher gut im Hier und Jetzt sein. Ich bin leider eher so gestrickt, dass ich meine Antennen überall habe und dabei dann auch mal den Moment des „Jetzt“ verpasse. Das ist etwas, darin kann ich mich üben.
    Liebe Grüße
    Anne

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Anne,
      auch ich übe weiterhin… An so einem schönen Ort mit Sonnenuntergang auf Madeira ist es auch leichter im Jetzt zu sein. Ich bastel übrigens noch an der Idee einer Audioaufnahme 🙂
      Liebe Grüße
      Christiane

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  3. Liebe Christiane,

    vielen Dank für den weitergehenden Einblick ins Focusing. Ich finde den Ansatz sehr spannend, dass mein Körper bereits etwas spürt, das für mich gedanklich und emotional noch nicht ganz greifbar ist…
    Bei der Übung fühlt sich bereits der Gedanke daran, die“Aufmerksamkeit wie eine Welle durch den ganzen Körper fließen“ zu lassen, sehr schön an. Das nehme ich mir als Anregung auf jeden Fall mit.
    lg. mo…

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  4. Liebe Christiane,
    deine Beiträge erinnern mich jedes Mal daran, dass ich mich seit geraumer Zeit selbst einer wertvollen Kraft beraube. Denn noch im Winter haben kleine Meditationen und Übungen zur Achtsamkeit meinen Tag begleitet. Ich glaubte, sie würden mich fortan mein ganzes Leben lang begleiten, bis sie irgendwann irgendwie ausfielen – obwohl sie mich so bereicherten. Wie schafft frau die Kontinuität, wie hast du das geschafft? Oder ist die Frage bloß naiv?
    LG Amy

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    1. Liebe Amy,
      das kenne ich auch gut, dass das, was mir gut tut, so schnell verloren geht und ich mich meiner Kraftquellen beraube. Mir hilft auferlegte Regelmäßigkeit, die ich mir organisiere, indem ich z.B. einen Kurs belege (MBSR oder Qigong z.B.). Oder eine Weiterbildung (wie Focusing). Ich habe auch eine Focusing-Partnerin, mit der ich mich in größeren Abständen regelmäßig treffe. Und eine Gruppe von Leuten aus meiner Gemeinde, die ich wöchentlich treffe.
      Weiter helfen mir feste Rituale, gegen die ich mich auch oft wehre, weil ich sie so langweilig finde. Wenn ich aber erlebe, dass die Kraft jeden Tag neu erfrischt wird und das Spannende im Geschehen liegt, dann ist die Regelmäßigkeit eine große Hife. Mein Tagesablauf lässt mir gerade viele Freiheiten, der Vormittag gehört mir mit Schreiben und Meditieren. Ich habe einen kleinen (Gebets)text, ein Buch mit Tagestexten und eine Klangschale an einem festen Ort bereit stehen. So fällt auch der Einstieg leichter, weil ich mich nur auf meine Meditationsbank setzen muss und die Zeit einstelle. Und zuletzt habe ich auch noch CDs mit Focusing- und Achtsamkeits-Übungen, die mir helfen, wenn ich von allein nicht gut zur Ruhe komme.
      Ist da etwas für Dich dabei?
      Liebe Grüße
      Chrstiane

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  5. Liebe Christiane,
    leider muss ich mich Amy anschließen: obwohl ich inzwischen nicht nur versuche meine Übungen regelmäßig auszuführen, sondern mich auch bemühe, eine gewisse Bewusstheit in meinem Alltag zu leben, sagen die Verben, die ich hier benutze schon viel aus: versuchen, bemühen … Ich versuche etwas, was Mühe bereitet. Und davor schrecke ich zurück. Es erleichtert mich, zu lesen, dass auch du dich oft gegen deine festen Rituale „wehrst“ — denn wie gut kenne ich die Überwindung, das Aufschieben, die ganze innere Abwehr gegen die Konzentration, die meine Rituale, meine Übungen oft in Anspruch nehmen. Wie gelegen kommt mir oft auch die Ablenkung von außen, bei mir ja primär durch die Kinder. Umso mehr schätze ich es, dass dein Blog eine zusätzliche wöchentliche Erinnerung ist, mich mir selbst zu widmen. Danke dafür.
    Herzlich, Fe.

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    1. Liebe Fe,
      Blockaden kenne ich auch. Für mich gibt es verschiedene Richtungen, damit umzugehen: Tiefer rangehen: Was ist das? Gerade beschäftige ich mich damit, was mich eigentlich hindert. Das allein kann schon Abwehr auslösen: Will ich das eigentlich wirklich wissen? Und dann?
      Und/Oder: Bin ich es schon so gewohnt, dass etwas Mühe macht? Gehört es zu mir, mit Anstrengung an Dinge heranzugehen, sogar an die Entspannung und das Für-mich-Sorgen? Ein vertrautes Muster, das ich entdecke und das ich im ersten Schritt erstmal nur annehmen kann. Nur was sein darf, kann sich verändern.
      Auf die gelungenen Momente schauen: In dieser Woche habe ich einmal meditiert, super! Oder ich habe Morgenseiten geschrieben – das tut gut. Oder ich habe den Sonnenschein wahrgenommen. Ich merke, wie Deutungen – um nicht zu sagen: permanente Bewertungen – mein Leben bestimmen. Und da es ist manchmal nur eine kleine mentale Anstrengung, anders zu bewerten. Und schon fühlt es sich tatsächlich leichter an.
      „Leichtigkeit“ kommt demnächst…
      Alles Liebe!
      Christiane

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