Adieu

Ich lasse dich nicht gerne ziehen. Intensiv warst du. Mit viel Veränderung und innerem Wachstum. Das ganze Jahr über hat mich dies Wort begleitet. Zu Anfang habe ich mich kaum getraut, darüber zu schreiben, es kam mir zu bunt, zu positiv, zu laut vor. Dabei liebte ich es von Anfang an, es war richtig. Ich habe es in dem Onlinekurs von Julia Meder: Dein Wort des Jahres „gefunden“. Aus der Perspektive dieses Wortes BLÜHEN möchte ich auf mein letztes Jahr zurückblicken, die Früchte ernten und mit einem frischen Blick auf das begonnene Jahr zugehen.

Da war es plötzlich am Neujahrsmorgen. Es bündelte die Reflexionen, die in dem Kurs angestoßen wurden, meine Wünsche, das, was ohnehin anstand, und das, was ich nicht machen, sondern geschehen lassen oder nur hoffen konnte. Gleich am Anfang des Jahres habe ich einen Blogbeitrag geschrieben – aber nie veröffentlicht. Aber es ist nie zu spät, das Wort und das Jahr noch einmal zu würdigen.

Und ich glaube ja nicht, dass
der Garten im Winter
seine Ekstase verliert.
Er ist still.
Aber die Wurzeln sind aufrührerisch
ganz tief da unten.

Rumi

Lange Zeit fand die Verwandlung im Verborgenen statt, ganz tief da unten. Es war oft ein Kampf der inneren Stimmen. In einigen Prozessen habe ich immer mehr Kontakt zu diesen inneren Anteilen aufgenommen. Da waren bekannte Teile, aber auch welche, auf die ich scheinbar keinen Zugriff hatte: Es gab eine Moderatorin, die den Überblick hatte, ein strahlendes Lichtwesen, das Frieden ausstrahlte, einen griechischen alten Herrn am Tresen eines Cafés, ein aufrührerisches Teeniemädchen, das einen Hund besitzt und in Schach hält. Sie gehören alle zu mir, sind irgendwann entstanden, hatten oder haben eine Funktion, Eigenschaften, die zu mir gehören, mich mehr oder weniger bestimmen. Wer ist auf der Bühne? Wer im Hintergrund?

Mit Focusing habe ich immer mehr Anteile in mir entdeckt und auch zu Wort kommen lassen. Im Verborgenen, tief unten, habe ich auch ein Kind gefunden, das ich an der Hand nach draußen auf die Wiese geführt habe. Ein Teil von mir ist wieder zum Leben geweckt worden, Verwandlung und Heilung ganz allmählich, so wie eine Blume in ihrem Tempo wächst, aufblüht und verblüht. Es geschehen lassen  – so, wie eine Blume von ganz allein „weiß“, wann ihr Zeitpunkt zur Entfaltung gekommen ist. Es gibt die schöne Wendung: „Zum Blühen bringen“. Das Blühen kann man nicht machen, aber ich kann die Rahmenbedingungen gestalten und dann darauf vertrauen, dass es geschieht, zu seiner Zeit.

Mein Thema letztes Jahr war Sichtbarkeit. Und dazu passte BLÜHEN doch sehr gut! Eine Blume hat ihre ganz eigene Schönheit, ohne Anstrengung und Zeitplan. Worauf schaue ich eigentlich? Woran zeigt sich denn meine Sichtbarkeit? Welches Medium ist das für mich Passende? Als Symbol für die Sichtbarkeit habe ich mein Kastanienprojekt gestartet. Jeden Tag machte ich ein Foto von dem Topf in meiner Küche und wartete auf das Sprießen. Stattdessen wuchs eine Amaryllis heran und blühte vierfach und gleich zwei Mal auf der Wohnzimmerfensterbank! Wie fixiert war ich auf die Kastanie, dass ich das Blühen an anderer Stelle fast übersehen hätte! Was hieß das für mein Business? Ich habe ein paar Entscheidungen getroffen: Es darf auch leicht sein. Ich verabschiede mich von anstrengenden Kontexten und Aufträgen, die mich zu viel Kraft kosten. Ich darf Nein sagen und wie von selbst, sind dann neue Kooperationen und Projekte entstanden. Auch ganz langsam, so dass daraus größtenteils Aufträge und Angebote in diesem und nächsten Jahr werden.

Auch Lassen und Loslassen war ein großes Thema. Von außen betrachtet, bin ich wohl immer noch sehr umtriebig und aktiv. Dabei habe ich zurückgefahren und mich mehr konzentriert. In mir ist irgendwann etwas zur Ruhe gekommen. Es fühlte sich so friedlich an. Ich habe einfach ganz nüchtern gearbeitet ohne all die Selbstzweifel. Ich habe langfristig Projekte vorbereitet und sogar Studienarbeiten weit vor Abgabetermin eingereicht. Das war vielleicht die Zeit der vollen Reife. So kann es auch gehen! Manche Themen bleiben und konfrontieren mich mit meinen Strukturen (im Herbst 2019 beginne ich die Focusing-Weiterbildung „Strukturen“!).

Jetzt ist das neue Jahr gestartet. Zeit für neuen Aufbruch mit frischer Energie!

 

Ein Kommentar zu „Adieu

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