Die Kraft der Verbundenheit

Die Texte des heutigen Beitrags sind bei einer Schreibwerkstatt mit dem Thema „Die Kraft der Verbundenheit“ entstanden. Der Impuls für diese Texte lautete, eine „flammende Rede für die Zukunft der Gemeinschaft“ zu schreiben. Eine Utopie, ein Fragment, eine Einladung mitzumachen, sich mitreißen zu lassen. Heute teile ich einige dieser Texte. Vielen Dank an die Autorinnen!

Manifest für eine radikale Mitte

Wir brauchen eine Diskussionskultur
Eine Kultur, in der wir
Gemeinsamkeiten finden
In der wir uns einig werden
Gemeinsame Nenner finden
kleine,
GROSSE.

Uns gemeinsam auf den Weg machen
Miteinander
Mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden
aber:
Gemeinsam

Eine Kultur, in der ein Dialog ermöglicht wird.
Begegnungen auf Augenhöhe
Ein bemühtes Zuhören
Ein Anerkennen des Anderen und
Gleichzeitig eine Kultur, in der wir uns
EINIG
Sind über Regeln für ein gutes Zusammenleben

Ein MITEINANDER

von Gabriele Friesen (insta: ankommen_mit_dem_wort)

Flammende Rede zur Verbundenheit mit anderen

„Die Kraft der Verbundenheit“ weiterlesen

Mit dir sein

Ich möchte eine Ermutigerin sein
sehen, was in dir steckt
dir ausmalen, was werden kann
dich gehen lassen
in deinem Tempo
Mir selbst auch eine Ermutigerin sein

Ich möchte eine Ermöglicherin sein
deine Potenziale hervorlocken
Hindernisse aus dem Weg räumen
Gelegenheiten geben
dich auszuprobieren
Auch mir selbst eine Ermöglicherin sein

Ich möchte eine Begleiterin sein
die Kraft der Gemeinschaft erleben
Seite an Seite den Weg gehen
Geleit geben für das noch Ungelebte
in den nächsten Raum aufbrechen
Auch mir selbst eine Begleiterin sein

Ich möchte eine Wohlwollende sein
zum Wohlergehen beitragen
dich zum Wollen befähigen
loslassen, was das Wohl verhindert
dabei bleiben, auch wenn es schwer ist
Auch mir selbst eine Wohlwollende sein

Ich möchte eine Unterstützerin sein
manches lässt sich nicht allein tragen
der zarten Pflanze einen guten Boden geben
den Grund festigen, auf dem du stehst
Halt geben, wenn der Boden wankt
Auch mIr selbst eine Unterstützerin sein

Ich möchte eine Trösterin sein
den Schmerz gemeinsam aushalten
deine Hand halten und schweigen
dabeibleiben ohne Worte
in das Licht des Morgengraus eintauchen
Auch mir selbst eine Trösterin sein

Ich möchte eine Partnerin sein
dir auf Augenhöhe begegnen
geben und nehmen leben
Hand in Hand unterwegs sein
dich so sein lassen, mich so sein lassen
Auch mir selbst eine Partnerin sein

Ich möchte eine Kreative sein
den Ideen freien Lauf lassen
aus der Quelle schöpfen
dem Kribbeln nachgeben
den leuchtenden Augen folgen
Auch mir selbst eine Kreative sein

Ich möchte eine Klare sein
offen sein für Durchblick
durchsichtig und unverblümt
aussprechen, was sich in mir formt
entschlossen dem Nicht-Wissen vertrauen
Auch mir selbst eine Klare sein

Ich möchte eine Innovatorin sein
das Neue sichtbar machen
Altes hinter mir lassen
den Blick in die Zukunft wagen
von dort aus die Gegenwart gestalten
Auch mir selbst eine Innovatorin sein

Ich möchte eine Initiatorin sein
ungeahnte Möglichkeiten erspüren
zum Aufbruch einladen
mitreißen und begeistern
anstecken für das noch nicht Dagewesene
Auch mir selbst eine Initiatorin sein

Ich möchte eine Visionärin sein
Ungeahnte Möglichkeiten erkunden
das Morgen vor Augen führen
die Zukunft ins Jetzt holen
die Zeit aussetzen
Auch mir selbst eine Visionärin sein

Ich möchte eine Bewegerin sein
Anschwung holen
Anlauf nehmen
den Absprung wagen
mit Leichtigkeit fließen
Auch mir selbst eine Bewegerin sein

Ich möchte ein Ruhepol sein
einfach mal nichts
in der Stille verweilen
dich lassen, mich lassen
in der Tiefe die Fülle spüren
Auch mir selbst ein Ruhepol sein

Foto by Christiane Henkel

Moment

Den Moment halten
geht nur so lange wie
die Luft anhalten

Dann zieht er weiter
und mit ihm
die Gefühle
die Gedanken
die Empfindungen
die Wahrnehmungen

Was bleibt ist
eine innere Spur
die ein Pfad
werden kann
ausgetreten
breiter werdend

Ein Weg
auf dem ich
mich wiederfinde
im nächsten Moment

Das Pendeln
zwischen dem
immer Gleichen
und dem
immer Neuen
von Moment zu Moment

Gibt es irgendetwas
anderes
als mich
dem Moment
zu überlassen?

Foto by C. Henkel

Vorahnung

Heute ist der Abend
der Vorahnung

Noch einmal zusammensitzen
noch einmal gemeinsam essen
noch einmal ein Blick in die Runde
noch einmal die Freundinnen und Freunde um mich herum
noch einmal die Gemeinschaft genießen

Ich gehe meinen Weg
ich lasse hinter mir
was mich nicht mehr hält
ich trete über die Schwelle
ich atme ein
ich atme aus

„Vorahnung“ weiterlesen

Scherbenhaufen

Und plötzlich liegt es
in Einzelteilen vor mir
Mein Leben
Bruchstücke sind noch
übrig geblieben
Zersplittert und zerfasert
Keine erkennbare Kontur
Zerbrochen

Und plötzlich fühlt es
sich so eng an
Kann mich nicht bewegen
Kein vor
Kein zurück
Angst schnürt den Hals zu
Atemnot

Von außen sieht es
so anders aus
Nach neuen Wegen
und Möglichkeiten
Nach Entwicklung
und Kreativität

Woher kommt diese Angst?
Wer redet mir schlecht zu?
Welche Stimme höre ich da?
Allein gelassen
Überfordert
Irgendwie so schuldig
Wem bin ich etwas schuldig?
Schuldig
so zu sein
wie ich bin?
Wer sagst:
Du darfst das nicht
Du kannst das nicht?

„Scherbenhaufen“ weiterlesen

Unsere Körper wissen die Antwort

Eine Übung aus dem Erleben im Social Presencing Theater, eine Methode aus der Theorie U, die das Spüren des gegenwärtigen Momentes gemeinsam mit der Gruppe probiert.

Der „Stuck“ – hier geht es nicht weiter, es ist wie ein Stopp, ein Verharren, ein Festgefahrensein in meinem Leben – da stockt etwas. Ich wähle einen Bereich meines Lebens, in dem ich gerade so ein Stocken erlebe. Das Thema muss nicht öffentlich gemacht werden. Den ersten Schritt der Übung erprobe ich allein. Wir sind – wie bei allen Übungen – eingeladen, den Körper in das Bewusstsein zu nehmen und die Wahrnehmung auf den Körper zu richten. Von dort entsteht eine Position, wie sich der „Stuck“ im Körper gerade zeigt. Ich gehe in einen Focusing-Prozess: Wie fühlt sich das von mir ausgewählte Thema gerade an? Wir sind in der Übung eingeladen, den „Stuck“ in eine Körperskulptur zu bringen. Ich beginne von der Körperstelle aus, mich ein wenig zu bewegen, um zu proben, wie genau sich das Festgefahrene ausdrücken lässt. Ich überlasse das „Genauern“ dem Körper, das heißt ich probiere so lange Positionen, Gesten, Körperhaltungen, bis sich das „in mir“ richtig ausgedrückt/symbolisiert fühlt. Dabei zeigt der Körper die Position, ich finde sie und spüre nach: Ah, so ist es, in diesem Festgeklebten zu sein.

„Unsere Körper wissen die Antwort“ weiterlesen