Der große Gesang vom Ich

Mein Beitrag heute ist eine Momentaufnahme, inspiriert durch ein Gedicht von Rilke:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

R. M. Rilke

Der große Gesang vom Ich*

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Blumenbilder mit Botschaft

Vor Kurzem habe ich auf einer Konferenz zwei Menschen getroffen, die mir auf Instagram folgen und mir zurückgemeldet haben, dass sie von mir immer so viele Blumenfotos in der Story sehen. „Noch ein Makro… scroll, scroll. Das ist mir nachgegangen. Da habe ich gedacht, dass ich mal teilen möchte, was die Blumenbilder mir bedeuten, und mit welchem Ziel ich die Bilder auf Insta poste. Hier meine Gedanken dazu.

Blumen sind wie Musik. Sie haben eine Schönheit an sich. Ich freue mich an ihnen. Sie rühren eine andere Ebene in mir an, weil sie nichts von mir wollen. Sie sind so zwecklos, sie sind einfach schön. Dazu üppig, großzügig, strahlend bunt, selbstvergessen, uneigennützig – kein Wunder, dass Jesus auch die Blumen auf dem Feld als Bild herangezogen hat für ein sorgloses Leben im Augenblick. Ja, Musik ist auch komponiert, arrangiert, es gibt Profis, die kunstvoll Musik gestalten, das kann nicht jeder. Und doch liegt der Zauber oft in dem Dazwischen, zwischen den Musizierenden, zwischen mir und den Tönen und dem gesamten Kontext, in dem ich die Musik höre. Für mich ist die Blumenrunde ein Moment des Eintauchens in das zweckfreie Schöne.

Meine Blumenrunde entspannt mich. Ich bin ein sehr aktiver, ja vielleicht auch manchmal getriebener Mensch. Ich lerne zu verstehen, dass „aktiv und beschäftigt sein“, so die Bezeichnung eines Motivators, auch eine Schattenseite hat. Was möchte ich nicht anschauen, wenn es mal ruhig um mich herum wird? Wem oder was begegne ich (in mir), wenn ich nichts denke, plane, vorbereite, tue…? Ich musste Entspannung wirklich lernen. Ich bin da auf einem Weg und der aktuelle Schritt ist, dass ich mir Entspannung einplane, ich brauche dafür z.B. meinen Qigong-Kurs, meine Biodanza-Gruppe und meine Rituale bzw. Routinen im Alltag. Sonst greife ich zum Handy oder gehe einfach schlafen. Meine Runde ist eine aktive Entspannung. Entstanden ist sie ursprünglich mit einer Fitness-App, mit der ich Übungen gemacht habe und regelmäßig zum „Gehen“ aufgefordert wurde. Da ich Laufbänder und Fitnessstudios nicht mag, bin ich für dieses Gehen eben rausgegangen. Und nachdem ich das eingeübt habe, ist es heute wirklich ein Bedürfnis meine Runde zu laufen. Weil sie mich entspannt, weil ich mich bewege, weil ich draußen bin, weil ich nichts selbst tue, also nichts produziere oder schaffe. Ich will diese Runde gehen, weil sie mich entspannt, sie mich runterbringt, ich mich spüren kann: meine Energie, meine Erschöpfung, meine Traurigkeit, meine Wut usw. Es dasein lassen. Diese Runde ist Teil meiner Selbstfürsorge: Ich achte auf mich und tue mir Gutes. Ich nehme mich ernst, mein Bedürfnis nach Zeit für mich und meine zweckfreie Entspannung. Daher: Feiert mit, wenn Ihr meine Fotorunde seht, denn es ist ein Tag, an dem ich das gelebt habe.

Die Blumen und ich sind eins. Im letzten Jahr habe ich einen Focusing-Kurs zu „Umweltzentriertem Erleben“ mitgemacht. Wir haben uns mit der Natur verbunden und gespürt, was es bedeutet, dass wir nicht getrennt sind: Da sind wir (Menschen) und dort ist die Umwelt. Gendlin, der Begründer von Focusing, hat es so ausgedrückt: Wir sind auch Pflanzen.

Wir sind auch Pflanzen. Wir haben, so wie sie, einen Körper aus Zellen, einen organismischen Prozeß. Dieser Körper lebt, und nicht nur deshalb, weil wir mit diesem Körper herumgehen. Nein, auch im Körper selbst geht alles mögliche vor sich. Und das, was da vor sich geht, geht nicht nur im Körper vor, sondern es ist immer unmittelbare Interaktion mit der Umwelt. (Gendlin, Pflanzenkörper, Tierkörper, Menschenkörper)

Indem ich rausgehe und mit den Pflanzen bin, bin ich vollständiger. Ich lasse mich erinnern, dass ich nicht getrennt bin von der Pflanzenwelt und dass das Wissen, das eine Blume in sich hat, auch in mir vorhanden ist. Der Pflanzenkörper hat alle Informationen in sich, die die Pflanze wachsen und sich entfalten lassen. Auch in meinem Körper ist dieses Wissen da und es geschieht darin ganz viel von allein. Wenn ich mich mit dem körperlichen Felt Sense verbinde, sind mir all diese Informationen zugänglich. Blumenzeit ist also auch Focusing-Zeit.
Auch Andreas Weber entfaltet diese Verbindung in seinem Buch „Lebendigkeit – eine erotische Ökologie„. In einem Radiobeitrag hat er von der beseelten Natur gesprochen. Wenn Du da tiefer einsteigen willst, hör Dir gerne den Beitrag an oder lies meinen Post auf Insta vom Juli 2024.

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Hinhören

Etwas Neues ist entstanden.
Seit November 2022 nehme ich Selbstgespräche auf zu Gedanken und Gefühlen, die mich gerade beschäftigen. Ich spreche, während ich in mich hineinspüre, und webe darin auch meine Erfahrungen und Kompetenzen in Persönlichkeitsentwicklung, Focusing und Spiritualität ein. Eine allererste Version habe ich unter „Fenster schließen“ hier schon veröffentlicht. Nun werde ich diese Gespräche in meinem Podcast „Der Raum in mir“ veröffentlichen. Jetzt geht es richtig los, juhu!

Hier teile ich die Beschreibung, worum es gehen wird. Unten kannst Du direkt reinhören.

Fragst du dich manchmal: Was bewegt mich wirklich?
Wie kann ich mich selbst besser spüren?
Wie finde ich Worte für das, was in mir lebendig ist – auch wenn ich es noch nicht ganz greifen kann?

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Hoffnungsvoll Scheitern

Stets aufs Neue scheitern.
Es wird wieder geschehen.
Das Erreichen der Unzulänglichkeit.
Der Verlust der Kontrolle.
Die Grenze des Machbaren.
Das Eingeständnis von Unwissenheit.

Das Loslassen ins Nichts
Auferstehen in Freiheit
Alles hinter mir lassen
Den unendlichen Augenblick größer werden lassen
Ich löse mich auf im Jetzt
Ich bin mit allem verbunden
Mich verlieren im Meer der Unendlichkeit

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Jahresrückblick 2024: Es gut sein lassen

Seit ein paar Tagen lese ich meine Tagebücher und Kalender, um auf mein Jahr zurückzublicken. Ich ernte Worte und Sätze, Fotos und Erinnerungen: Mich hingeben an das Leben. Lockern, was nicht mehr hält. Um meiner Selbst willen. Meine Energie da reingeben, wo genau das herauskommt, was mich nährt. Die Gleichzeitigkeit von Verletzlichkeit und Kompetenz. Entwachsen. Meine berufliche Vision: Ich sehe mich in Gruppen, kollegial, leitend, lehrend, vielfältig, moderierend. 2024 habe ich einiges neu angefangen. Meine JAhr-Worte: herzverbunden, Sprungkraft/Absprung und WEG. Jetzt lasse ich es gut sein. Hier die Langfassung:

Zu Kräften kommen

Mein Jahresanfang war von Erschöpfung geprägt. Der Winter ist eh nicht meine Zeit, Dunkelheit und Kälte führen dazu, dass ich mich bewusst aktivieren muss, um genug Energie zu haben. Das war von Januar bis März besonders herausfordernd. In dieser Zeit ist der Gedanke gewachsen, dass ich etwas an meiner beruflichen Situation ändern will. Aber solange ich krank und erschöpft war, wollte ich keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Ich habe viele Hilfe- und Unterstützungssysteme aktiviert: Qigong, Osteopathie, Somatic Experience, Supervision, partnerschaftliches Focusing, Spaziergänge und Cafébesuche mit Freundinnen.

Ich werde sterben: Worin liegt die Freiheit im Zerbruch?

Gründonnerstag. Eine meiner Supervisionssitzungen, die ich im 2. Quartal hatte, ließ mich den Geschmack von Endlichkeit spüren. Ich habe symbolisch einen Schritt über eine Schwelle gemacht, fand mich in einem Korridor mit Türen rechts und links wieder, die mich aber nicht gelockt haben. Der Weg führte mich geradewegs auf eine Glastür am Ende des Ganges zu. Beim Blick hinaus spürte ich: Ich werde sterben. Mich schauderte. Beim zweiten Blick durch das Fenster sah ich die ersten Knospen, hörte Vögel singen, roch den Duft von Bärlauch – es ist Frühling! Das Samenkorn fällt in die Erde und stirbt, bevor es neue Frucht bringt. Etwas in mir musste sterben. Es fühlte sich an wie an einem dunklen Ort. Da war noch nichts zu sehen. Ich musste mich von einem Bild von mir verabschieden, damit Platz für Neues entstehen konnte.

Ich werde sterben – und neu erblühen.
Wenn du an einem dunklen Ort bist,
denkst du manchmal, du wurdest begraben.
Vielleicht wurdest du gepflanzt.
Blühe!

Neues und Neuanfänge

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Langsam

Heute bin ich langsam
wie durch Nebel greife ich nach dem Tag
er entzieht sich

Das Denken stockt
als ob es vor dieser unsichtbaren Tür
stehen bleibt und nicht weiter kann

Die Gefühle stehen im Stau
ein Auffahrunfall nach dem anderen
Dicht an dicht kommen sie nicht weiter

Bewegungslos
verharre ich zu lange
eingefroren gelähmt erstarrt

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Die Kraft der Verbundenheit

Die Texte des heutigen Beitrags sind bei einer Schreibwerkstatt mit dem Thema „Die Kraft der Verbundenheit“ entstanden. Der Impuls für diese Texte lautete, eine „flammende Rede für die Zukunft der Gemeinschaft“ zu schreiben. Eine Utopie, ein Fragment, eine Einladung mitzumachen, sich mitreißen zu lassen. Heute teile ich einige dieser Texte. Vielen Dank an die Autorinnen!

Manifest für eine radikale Mitte

Wir brauchen eine Diskussionskultur
Eine Kultur, in der wir
Gemeinsamkeiten finden
In der wir uns einig werden
Gemeinsame Nenner finden
kleine,
GROSSE.

Uns gemeinsam auf den Weg machen
Miteinander
Mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden
aber:
Gemeinsam

Eine Kultur, in der ein Dialog ermöglicht wird.
Begegnungen auf Augenhöhe
Ein bemühtes Zuhören
Ein Anerkennen des Anderen und
Gleichzeitig eine Kultur, in der wir uns
EINIG
Sind über Regeln für ein gutes Zusammenleben

Ein MITEINANDER

von Gabriele Friesen (insta: ankommen_mit_dem_wort)

Flammende Rede zur Verbundenheit mit anderen

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