Der große Gesang vom Ich

Mein Beitrag heute ist eine Momentaufnahme, inspiriert durch ein Gedicht von Rilke:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

R. M. Rilke

Der große Gesang vom Ich*

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Mit dir sein

Ich möchte eine Ermutigerin sein
sehen, was in dir steckt
dir ausmalen, was werden kann
dich gehen lassen
in deinem Tempo
Mir selbst auch eine Ermutigerin sein

Ich möchte eine Ermöglicherin sein
deine Potenziale hervorlocken
Hindernisse aus dem Weg räumen
Gelegenheiten geben
dich auszuprobieren
Auch mir selbst eine Ermöglicherin sein

Ich möchte eine Begleiterin sein
die Kraft der Gemeinschaft erleben
Seite an Seite den Weg gehen
Geleit geben für das noch Ungelebte
in den nächsten Raum aufbrechen
Auch mir selbst eine Begleiterin sein

Ich möchte eine Wohlwollende sein
zum Wohlergehen beitragen
dich zum Wollen befähigen
loslassen, was das Wohl verhindert
dabei bleiben, auch wenn es schwer ist
Auch mir selbst eine Wohlwollende sein

Ich möchte eine Unterstützerin sein
manches lässt sich nicht allein tragen
der zarten Pflanze einen guten Boden geben
den Grund festigen, auf dem du stehst
Halt geben, wenn der Boden wankt
Auch mIr selbst eine Unterstützerin sein

Ich möchte eine Trösterin sein
den Schmerz gemeinsam aushalten
deine Hand halten und schweigen
dabeibleiben ohne Worte
in das Licht des Morgengraus eintauchen
Auch mir selbst eine Trösterin sein

Ich möchte eine Partnerin sein
dir auf Augenhöhe begegnen
geben und nehmen leben
Hand in Hand unterwegs sein
dich so sein lassen, mich so sein lassen
Auch mir selbst eine Partnerin sein

Ich möchte eine Kreative sein
den Ideen freien Lauf lassen
aus der Quelle schöpfen
dem Kribbeln nachgeben
den leuchtenden Augen folgen
Auch mir selbst eine Kreative sein

Ich möchte eine Klare sein
offen sein für Durchblick
durchsichtig und unverblümt
aussprechen, was sich in mir formt
entschlossen dem Nicht-Wissen vertrauen
Auch mir selbst eine Klare sein

Ich möchte eine Innovatorin sein
das Neue sichtbar machen
Altes hinter mir lassen
den Blick in die Zukunft wagen
von dort aus die Gegenwart gestalten
Auch mir selbst eine Innovatorin sein

Ich möchte eine Initiatorin sein
ungeahnte Möglichkeiten erspüren
zum Aufbruch einladen
mitreißen und begeistern
anstecken für das noch nicht Dagewesene
Auch mir selbst eine Initiatorin sein

Ich möchte eine Visionärin sein
Ungeahnte Möglichkeiten erkunden
das Morgen vor Augen führen
die Zukunft ins Jetzt holen
die Zeit aussetzen
Auch mir selbst eine Visionärin sein

Ich möchte eine Bewegerin sein
Anschwung holen
Anlauf nehmen
den Absprung wagen
mit Leichtigkeit fließen
Auch mir selbst eine Bewegerin sein

Ich möchte ein Ruhepol sein
einfach mal nichts
in der Stille verweilen
dich lassen, mich lassen
in der Tiefe die Fülle spüren
Auch mir selbst ein Ruhepol sein

Foto by Christiane Henkel

Von oben unter die Erde schauen

Das Pilzgewebe – die sichtbaren Pilze über der Erde, das weit vernetzte Gewebe unter der Erde. Manches sieht man nur, wenn man sich rauszoomt und von weit oben schaut: Ah, hier sind auch noch verstreute Pilze, die zum gleichen Geflecht gehören. Wenn Du unter der Erde bist, gehst Du vielleicht manchmal in dem ganzen Wirrwarr des Geflechts unter, verlierst den Faden, weißt vielleicht noch nicht mal mehr, wo Du auftauchen kannst. Gehören die da hinten etwa auch noch dazu? Wo endet das eigentlich? Wohin soll ich mich als nächstes bewegen? Muss ich wie dieser Pilz werden oder wie jener?

Ein Blick von oben zeigt: All diese sichtbaren Pilze sind nur punktuelle Ausdrucksformen von dem großen Geflecht darunter. Manche haben vielleicht die Aufgabe, sich im Geflecht unter der Erde zu bewegen. Vielleicht lange Zeit, bis sie eines Tages als Pilz an die Oberfläche kommen. Manche haben vielleicht die Aufgabe, mit den anderen Pflanzen Kontakt aufzunehmen, sie z.B. zu warnen vor etwas, was weit entfernt einem Pilz aus einer ganz anderen Region bereits gemeldet wurde.

Es wird darüber gestritten, ob Pilze Pflanzen oder Lebewesen sind. Das gefällt mir, diese Uneindeutigkeit, das schwer zu Erforschende, das noch offene, die Wirklichkeit, die sich nicht in eindeutige Begriffe und Kategorien fassen lässt. Vielleicht ist der Pilz beides. Und der Pilz ist auch nicht der Pilz: Das, was man nach außen sieht, ist eigentlich gar nicht das, was die Pflanz (oder das Geschöpf!) ausmacht. Nun ich bin keine Biologin, keine Pilzforscherin, so dass das Bild irgendwann auch an eine Grenze kommt.

Die Wirklichkeit ist mehr als das, was nach Außen sichtbar erscheint. Die reine Beschreibung erfasst nicht alle Aspekte, die diese Wirklichkeit ausmachen. Es gibt Verborgenes, unerforschtes Gebiet, es entzieht sich der Erfassbarkeit mit dem rationalen Begrifflichkeiten.

Und doch braucht es auch diese empirische Grundlage der Beschreibung, um einen Maßstab zu haben, und nicht dem Irrtum zu verfallen, dass jeder und jede nach ihrer Erfahrung die Wirklichkeit für alle deuten kann. Wissenschaft macht auch demütig, der Ausschnitt ist klein, die Werkzeuge begrenzt und die Erkenntnis oft überraschend plausibel und mit dem puren Menschenverstand nachvollziehbar. Hier braucht es so etwas wie die erhellende Kritik, wenn es blinde Flecken gibt oder es bereits neuere Erkenntnisse aus anderen Bereichen gibt. Aber machen wir uns nichts vor: Keine Wissenschaft kann die Wirklichkeit voll erfassen. Sie bleibt standort-, subjekt- und kontextgebunden. Daher braucht es unbedingt eine Forschungsgemeinschaft. Ich wünsche mir eine, die den Willen hat, sich zum Wohl der Menschen, der Mitwelt und der gesamten Erde einzusetzen. Vielleicht sogar in umgekehrter Reihenfolge. Am besten alles gleichzeitig, ohne Rangfolge!

Ich will aufhören, nur für mich zu träumen und zu sehnen. Ich möchte mich einsetzen und das Pilzgeflecht von oben unter der Erde beschreiben. Es sichtbar machen. Meine Verflechtungen, die Netzwerke, die Zugehörigkeiten und Verzweigungen. Und sehen, welch einzigartiger Pilz ich in diesem ganzen Gewebe ich bin.

Innehalten

Das Tal ist durchschritten.
Es geht wieder aufwärts.

Ein Tal
von vielen Tälern.
Im Tal fließt doch das Wasser,
im Tal blühen die Blumen,
im Tal wohnen die Menschen.
Warum sollte ich auf den Berg steigen?

Der nächste Berg.
Er steht schon vor mir.
Warum ist aufwärts gehen so positiv besetzt?
Aufwärts gehen ist anstrengend!
Die Last liegt auf meinen Schultern.
Wie leicht kann das Gepäck sein?
Was lasse ich im Tal?
Welche Wegzehrung benötige ich?

Mich nehme ich mit.
Das ist Last genug.
Und Lust genug,
Kraft genug,
Ausdauer genug.

Mir vertrauen.
Vertrauen in den Aufstieg.
Oben wartet die Aussicht.
Gipfelerlebnisse
sind nicht alltäglich.
Nicht jeder Aufstieg
wird mit einem Ausblick belohnt.

Manches ist nicht der Mühe wert.
Woher weiß ich das vorher?
Welche Mühe lohnt sich?
Reicht nicht das Gehen?

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Fenster schließen

Manches entsteht spontan aus dem Moment heraus. So wie heute.

Ich höre viele Podcasts zu Themen oder auch Meditationen, die mir helfen, meine Wahrnehmung auf mich zu lenken und zur Ruhe zu kommen. Danach habe ich oft den Impuls, etwas zu schreiben, so dass ich mein Morgenseiten-Journal zur Hand nehme und alles schreibe, was mir gerade durch den Kopf geht.

In diesen Tagen merke ich, wie sehr mir Kontakt und Austausch fehlen. Ich bin ein extrovertierter Mensch und daher ist die Verbundenheit mit anderen für mich existentiell. Ich fühle mich innerlich ausgehungert ohne Verbindungen und Austausch, verliere sogar den Kontakt zu mir selbst oder zumindest entsteht so ein inneres Weggleiten, was es mir erschwert, mit meinen eigenen Kraftquellen in Kontakt zu sein.

Als ich das merkte, habe ich beschlossen, dass ich vielleicht einfach anfangen könnte, auszusprechen, was ich gerade im Kopf habe. Um dabei die Wirkung zu erzielen, ein Gegenüber zu haben, habe ich einfach meine Diktier-App geöffnet und angefangen zu sprechen und mir ein „Du“ kreiert. Und siehe da, was dabei entstanden ist!

Vielleicht magst Du mal in meinen ersten Spontan-Podcast hineinhören! In der Audiodatei erfährst Du, was es mit der Überschrift „Fenster schließen“ auf sich hat. Ich freue mich über Rückmeldung dazu und würde gerne hören, welche Erfahrung Du mit der Übung gemacht hast.

Foto by C.Henkel

Schwelle

Es geht da weiter, wo es leicht ist.

Diesem Satz zu vertrauen, ist gar nicht so leicht für mich. Vielleicht habe ich viel zu oft erlebt, dass etwas erkämpft werden muss, dass hartnäckiges Insistieren zum Ziel führt. Manchmal löst genau das auf der anderen Seite Widerstand aus. Mir fällt es schwer, zu akzeptieren, dass Türen sich schließen oder sich eben nicht öffnen. Ich rüttle daran, klopfe, zerre, stampfe… – und auf der anderen Seite bleibt es stumm. Gestoppte Prozesse.

Und dann zu erleben, dass daneben – oder ganz woanders – eine geöffnete Tür ist, eine einladende Geste, ein Willkommen-Heißen – das ist überraschend! Jetzt ist es an mir, Ja zu sagen, die Schwelle zu überschreiten, dem Willkommen Glauben zu schenken. Dem zu widerstehen, misstrauisch zu sein und zu zweifeln, ob sich hinter der Tür doch ein Hindernis oder eine Falle versteckt.

Erwartungen loslassen. Auf Neues warten. Durchschreiten. Über die Schwelle gehen. Neuland betreten. Mich überraschen lassen. Mich öffnen.

Photo by Trude Jonsson Stangel on Unsplash

Zerrissen – verbunden

Heute wird es politisch. Oder gesellschaftskritisch. Oder glaubensweit. Bei welchem Begriff bleibst du hängen und horchst auf? Oder umgekehrt: Liest du nicht weiter, weil das nicht hierher gehört? Oder weil dein Bild von meiner Meinung dazu schon feststeht?

Ich fühle mich zerrissen. Die Zeit der Eindeutigkeiten ist vorbei. Schwarz und weiß sind nur die Extreme einer breiten Farbskala des grau. Und das ist nicht verkehrt, denn es bildet die Realität ab. Gleichzeitig verunsichert es, macht vieles un-be-greifbar, nimmt mir den festen Boden unter den Füßen, auf dem ich lange vermeintlich sicher stand. Wie geht es dir: Bist du gerne in Bewegung? Magst du Veränderungen? Ich für mich würde sagen: Ja und Nein – und schon wird es uneindeutig! Ich bin ein neugieriger Mensch, mich interessieren viele Themen, ich höre viele Podcasts, lese Bücher, rede mit Menschen, besuche Tagungen und Kongresse, Workshops und World Cafés usw. Ich bin innerlich unterwegs, stelle mich in Frage, suche nach neuen Wegen und Ideen. Gleichzeitig suche ich nach Halt, nach einem geschützten Raum, nach Sicherheit und Beständigkeit. Es wäre eine Katastrophe für mich, wenn ich von heut auf morgen meine Wohnung verlieren würde (wie es vielen Hunderttausenden von Menschen gerade passiert!). Hier erlebe ich Stabilität, verlässliche Beziehungen, wiederkehrende Rituale, eine gleichbleibende Ordnung in den Schränken (auch wenn es nicht so aussieht :-), hier habe ich meine Sachen, meinen Raum. Vielleicht brauche ich diesen äußeren Raum gerade, weil es in meinem Inneren manchmal zu viel Bewegung, zu viel Eruption und Unsicherheit gibt. Was gibt dir Halt? Wo erlebst du Verlässlichkeit? Was darf nicht wegbrechen, damit du stabil bleibst?

Nun ist viel weggebrochen in den letzten 2 Jahren. Das Ausmaß der inneren Instabilität ist meines Erachtens noch überhaupt nicht sichtbar oder greifbar. Wir mussten uns gesamtgesellschaftlich und vielleicht zum ersten Mal auch global (wobei das auf die Klimakrise auch zutrifft, aber da treffen die Einschränkungen und gesundheitlichen Folgen – noch – nicht jeden einzelnen, jede einzelne) mit einer Krise auseinandersetzen, die so vieles zum Teil von heute auf Morgen erschüttert und verändert hat. Wir mussten zunächst verstehen: Worum geht es eigentlich? Woher hole ich mir Informationen? Welchen Nachrichten, Medien, Quellen kann ich überhaupt trauen? Wie sehr muss ich mich inhaltlich in Virologie, Medizin, Politik einarbeiten, um mir überhaupt eine Meinung bilden zu können? Ich für meinen Teil merke: Dieser Prozess ist bei mir bis heute nicht abgeschlossen. Wie groß ist da der Wunsch nach Klarheit, Eindeutigkeit: Nun sagt doch endlich, was es bedeutet und was wir machen sollen! Und andere wehren sich genau dagegen: Jetzt sagen mir auch noch andere, was ich machen soll!

Mittlerweile reklamiert jeder und jede für sich die persönliche Freiheit der Meinungsäußerung. Ist das richtig? Auch hier gilt wieder: Ja und Nein. Es ist gut, wenn ich mich auf das verlassen kann, was andere recherchieren, analysieren und verstehbar kommunizieren, worin ich keine Expertin bin. Und gleichzeitig lasse ich mir das ungern als Eindeutigkeit verkaufen, möchte mir selbst eine Meinung bilden, überprüfe, was es für meine persönliche Situation bedeutet, was „von oben“ entschieden wurde. Es ist je nach eigener Prägung und Persönlichkeit ein Reflex zu spüren: Ich komme zu kurz! Ich werde übersehen! Niemand fragt nach mir! Dahinter stecken vermutlich viel ältere Erfahrungen und Ängste, die durch die äußere Verunsicherung massiv geschürt werden und mich aus der Bahn werfen. Das in mir anzuschauen ist sehr anstrengend, kostet Kraft und braucht wiederum geschützte und verlässliche Räume. Und genau die sind gerade äußerlich weggebrochen… Ein Teufelskreis.

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Furchtlos

Rau weht der Wind. Dunkel schließt die Nacht das letzte Licht ein. Von Ferne ist das Rauschen der Wellen zu hören. Gischt prallt gegen die Steilwand und versandet. Wer hier schutzlos steht, wendet sich ab und kehrt zu seinesgleichen in das warme Haus zurück. Hier hat er nichts verloren, denn hier ist alles verloren. Das Ende der Welt. Das Ende der Hoffnungen. Abgrund. Mit Spott und Verachtung wenden sie sich ab und folgen ihrem Glück. Suchen das ihre und das Weite. Das hier braucht kein Mensch. Kälte, Abschaum, Verzweiflung, Gewalt und Schreie. Nein, hier haben sie nichts verloren. Das Glück schon gar nicht. Es ist woanders zu finden. Dort, wo alles glatt und glänzend scheint. Zwar hart erkauft, zugegeben. Aber das merken sie nicht.

Näher dran sind nur die Ausgestoßenen. Die Verachteten. Die Randfiguren der Geschichte. Sie kennen sich aus im Dunkeln. Finstere Geschäfte sind ihr Alltag. Schwarz wie die Nacht ist das Herz. Und das weiß jeder. Sie kennen die Verachtung und Gleichgültigkeit, die von den vermeintlich Perfekten zu ihnen herüberschwappt. Es lässt sie kalt. Zu geschunden ist das Herz, ein dicker Panzer lässt alles abprallen. Sie haben sich arrangiert mit der Kälte, der Dunkelheit, dem Hass und der Verzweiflung.

Sie, die da draußen zu Hause sind, wenden den Blick nach oben. War da nicht was? Was war anders als sonst? Der Mut der Verzweiflung lässt sie aufhorchen und aufsehen. Sie haben nichts mehr zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Sie folgen ihrem Herzen. Die Hütte taucht vor ihnen auf. Sie kennen sie. Dieser ebenso verachtete Ort ist ein Raum der Ausgestoßenen, der Heimatlosen und Gekränkten. Diese Hütte umwebt heute etwas Magisches. Sie spüren: Etwas ist anders! Sie fühlen sich angezogen wie von einem Magneten. Sie wissen tief in ihrem Inneren: Hierin liegt die Wahrheit. Sie schleichen um den notdürftigen Bretterverschlag herum. Sie streichen mit den Händen über das rohe Holz. Die Tiere sind auch dabei, ihr Atem bläst neblige Wolken in die Nacht. Ihre Körper beben. Sie wagen nicht zu sprechen, nicht mal zu flüstern. Schweigend umkreisen sie die Hütte bis zur Tür. Wagen sie es?

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RaumEntfaltung

Ich träume von einem Raum,
in dem ich atmen und mich entfalten kann,
ein sicherer Raum (safe space), in dem ich nicht angegriffen werde,
sondern noch unfertige Gedanken ungeschützt äußern kann.

Ich träume von einem Raum,
der, wenn er an Grenzen stößt, sich öffnen kann für das, was andere haben oder tun,
und ich mich nicht bedroht abschotten muss.

Ich träume von einem Raum,
in dem auch die Verletzlichkeit ihren Platz hat,
ich sie nicht verbergen muss, sondern sie wie ein Türöffner wirkt,
so dass auch andere diesen Raum in sich öffnen können.

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Verrutscht

Ich gehe  in den Raum, steuere auf den Sessel am Fenster zu. Unter einer Lampe liegt ein Buch, es ist aufgeschlagen. Ich lese den ersten Satz.

„Ist mein Ziel verrutscht?“, fragte sie sich und passte es nochmal neu an. Sie wollte unbedingt in dieses Leben passen, aber immer wieder verrutschte etwas. Es zwickte und zwackte hier und da und manchmal war ein Tag zu groß und rutschte herunter. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt ihr Ziel formuliert hatte. Was wollte sie erreichen? Zu aufgetürmt lagen da die Aufgaben ihres Alltags. Manchmal reichte schon das alltäglich Nötigeste, um herauszufallen. Da fiel ihr das Aufstehen schon schwer – was wollte sie von diesem Tag? Oder ihre unendliche To-Do-Liste, die sie schon beim Frühstück angaffte, so dass sie den Mut verlor, irgendetwas anzupacken. Dann saß sie da, ihr Blick verlor sich in der Pfütze ihrer Teetasse und sie erstarrte. Bewegungslos verharrte sie so gleich morgens am Küchentisch. Verrutscht.

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