Sonnenwolkenbruch

Ein Raum mit kreativen Materialien auf den Tischen, Stempel, bunte Stifte, Postkarten, Papier, eine Wort-Wand, Musik … Ich habe an einem einstündigen Kreativschreibworkshop von Hanna Buiting teilgenommen  und in dieser inspirierenden Atmosphäre fünf Texte geschrieben.

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Kreatives Schreiben mit Hanna Buiting, Foto: (c) Christiane Henkel

Einen teile ich heute mit Euch: 

Hoffnungsschimmer

Schon schimmert es
durch den wolkenverhangenen
Himmel meines Lebens

Ganz sacht und zart
aber hell
sogar ein bisschen glitzernd
wie Sonnenstrahlen auf einem See

Angenehm
warm für die Augen
Augenweide aus Licht und Wärme
Die Augen ruhen auf dem
Hoffnungsschimmer am Horizont

Er weist den Weg
ins Licht
Wie ist es erst
wenn die Sonne durch die Wolken bricht

Sonnenwolkenbruch

 

 

 

Muttertagsgedenken

Ich lache so viel und offen wie du
Ich bin auch mal traurig wie du
Ich lese so gerne wie du
Ich mache auch gerne ein Nickerchen wie du
Ich habe Interesse an und ein offenes Ohr für Menschen wie du

Du liebtest Blumen und deinen Garten über alles
Du warst so vielfälig engagiert
Du hast deine Familie umsorgt

Ich trage dich in meinem Herzen
Etwas von dir lebt in mir weiter
So bleibst du bei mir in diesen Tagen,
an denen ich dich besonders vermisse.

Muttertag 2018 fiel auf den Tag ihrer Beerdigung vor 2 Jahren.

 

Der rote Pfad

Für alle, die suchen und fragen, mit Ungeduld und Sehnen. Ein Focusing-Prozess.

Ich verlier den roten Faden,
ich verlier die Spur.
Ich wär so gerne –
einmal nur –
perfekt.

Alles richtig, alles gut,
alles heil, alles ganz.
Keine Zweifel, nur Mut.
Voranschreiten mit klarem Ziel.

Und doch weiß ich genau,
das wär zu viel, viel zu viel
und außerdem nicht echt.
Ich würde den Kontakt verliern,
wäre blind für Leid und Schmerz,
hätte Hoffnung ohne Ende zwar
aber keine Bodenhaftung mehr.

In mir fragt es nach der Lösung,
Erlösung aus dem Nebel,
dem Ausweg aus dem Nichts.

Vertrauen ist der Schlüssel
Liebe ist das Licht
Mit Augen zu und voller Klarheit
Schritt für Schritt
auf das Ungewisse zu. „Der rote Pfad“ weiterlesen →

Frühlingserwachen

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „April, April, der weiß nicht, was er will“ des #BKS11. Alle Schreiblustigen aus unserem Masterstudiengang Biografisches und Kreatives Scheiben an der ASH Berlin (#BKS11) sind herzlich eingeladen, ebenso wie alle anderen schreibfreudigen Bloggerinnen und Blogger.

Das Thema ist frei interpretierbar – als Gedicht, Kurzgeschichte, Collage u.a. Aber es gibt eine kreative Herausforderung (contrainte): Es sollen nur Wörter verwendet werden, die ein „a“ enthalten („ä“ gilt auch). Die „contrainte“ ist eine kreative Methode aus der „Werkstatt für Potentielle Literatur“ OuLiPo (L‘ Ouvroir de Littérature Potentielle). Durch die selbstauferlegten formalen oder inhaltlichen Textbildungsregelungen sollen die verborgenen Potentiale der Sprache entdeckt werden.

 

Wordle Frülingserwachen, erstellt mit wordle.com
Wordle Frülingserwachen, erstellt mit wordle.com

 

 

 

Gleichzeitig

„Irgendwie muss ich mein Handy ständig aufladen. Der Akku ist dauernd leer.“
„Vielleicht laufen da Prozesse im Hintergrund, die Energie fressen.“
„Wie im richtigen Leben.“

Im April hat der nächste Abschnitt meiner Focusing-Weiterbildung begonnen, Schwerpunkt: Körper. Ich freute mich, wieder in Würzburg im DAF zu sein, im vertrauten Focusing-Institut, mit vier bereits bekannten und vielen neuen Menschen. Das Thema hat mich dann ganz schön erwischt. Ich bin gleich mit etwas in mir in Kontakt gekommen, was mich erschreckt und verunsichert hat. Am ersten Tag dachte ich: Jetzt kann ich nach Hause fahren, ich kann doch nicht mit diesem Erschrecken eine Weiterbildung bestehen! In den nächsten Tagen hat mein Körper alles Drängen von mir, dem weiter nachzugehen, nicht beantwortet. Der Körper ist einfach weise, weiß seine Zeit.  Dann habe ich mir bewusst ein Experiment vorgenommen: Ich probiere, ob ich MIT diesem Unklaren, Unsicheren, Verletzten in mir trotzdem weiter üben und einen Prozess begleiten kann. Und siehe da: Es ging! Ich konnte kompetent begleiten, hilfreich sein, weiter üben. Die Resonanz war: Die Begleiteten fühlten sich sanft geführt und gut aufgehoben, die Impulse waren passend. Das hat mich dann fast erstaunt: Es geht, es ist gleichzeitig da: Mein innerer Prozess und meine Kompetenz.

„Gleichzeitig“ weiterlesen →

Überholspur

Und da starre ich gebannt auf den Topf mit meiner Kastanie, mache seit 57 Tagen jeden Tag ein Foto von der dunklen Erde, an deren Oberfläche sich nichts ändert. Ja, dieser Topf steht nach wie vor für mich dafür, dass da etwas wächst, etwas im Verborgenen entsteht, was noch Entwicklungszeit braucht. Es ist ein Bild für mich, mir diese Zeit zuzugestehen, dass ich noch nicht dort angekommen bin, wohin ich gehöre. Ich spüre aber genau, dass ich auf dem Weg bin und dass es noch Zeit bedarf. Ich darf IN diesem Prozess sein. Auf dem Weg, im Wachstum.

Und dann sehe ich plötzlich, dass auf der Fensterbank im anderen Zimmer eine Knospe hochschießt! Eine Amaryllis, die ich fast aufgegeben hatte, nachdem sie sich auf ein Blatt reduziert hatte. Jetzt konnte ich in den letzten Tagen förmlich zusehen, wie eine riesengroße Knospe empor gewachsen ist und sich dann die wunderschöne Blüte entfaltet hat.

„Überholspur“ weiterlesen →

Spur aufnehmen

Ein neues Jahr. Eine neue Überschrift für den Blog: Spurensuche. Ich möchte weiterhin auf der Suche sein nach mir, nach dem Raum in mir, in dem ich atmen kann, nach Menschen, die sich mit mir auf den Weg machen und denen ich Wegbegleiterin sein kann. Ich möchte die Spur aufnehmen, dem Pfad folgen, den schon andere gegangen sind.

Am Anfang des Jahres habe ich tatsächlich mal Vorhaben formuliert, um die Rahmenbedingungen für ein gutes, gesundes inneres Wachstum zu gestalten. Dazu gehört, dass ich all die guten Bücher lesen will, die ich in den letzten 2 Jahren bekommen und gekauft habe. In den guten Gedanken und Beschreibungen anderer möchte ich ihre Spur aufnehmen und sie mit meinem Lebensweg verbinden. Von der Liste werde ich hier auch immer mal berichten.

Zur Zeit lese ich Pierre Stutz: Verwundet bin ich und aufgehoben – Für eine Spiritualität der Unvollkommenheit und finde darin sehr viel von meiner derzeitigen Lebensspur. In kleinen Abschnitten lässt er Mystikerinnen und Mystiker aus aller Welt und allen Zeiten zu Wort kommen und verbindet ihre Spur mit seinem Leben. Ich schätze seine Ehrlichkeit und Verletzlichkeit. Dieser Spur möchte ich folgen.

Sein dürfen
ich muss nicht
sondern ich bin begleitet
das in mir zu entdecken
was mir zutiefst gut tut
„Spur aufnehmen“ weiterlesen →

Zurückblicken und Ziele fokussieren

Zum Jahresende blicke ich zurück. Dieser Blogbeitrag schließt das Jahr und auch die Blogreihe von A-Z ab. Was sehe ich im Rückblick? Wie schaue ich auf das neue Jahr? Ich bin keine Planerin, daher hatte ich keine Liste mit Zielen für 2017 und werde auch keine für das nächste Jahr haben. Was ich jetzt aber habe: einen Tageskalender mit Einträgen an jedem Abend, ab Februar 6 Bücher mit Morgenseiten, dazu noch weitere Tagebucheinträge, Studiumstexte, Blogtexte, Mails, facebook-Einträge, ein Buch – sehr viel Geschriebenes.

Auf welche Art und Weise möchte ich hier auf mein Jahr zurückblicken?
„Zurückblicken und Ziele fokussieren“ weiterlesen →

Kastanie

Nicht mehr und noch nicht – so hat der Fotograf Dirk Henkel dieses Bild der Kastanienknospe betitelt. Nicht mehr der Blätterbaum, nicht mehr die volle Blüte. Das Alte ist vergangen, es hat ausgedient. Und das Neue ist noch nicht da, noch nicht vollständig sichtbar, noch in der Knospe verborgen. Die Zeit dazwischen.

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So empfinde ich diese Zeit. Eine Zeit der Verwandlung, der Transformation, der Inkubation. Neben dem Schmetterling ist die Kastanie für mich ein wichtiges Symbol dafür geworden. In einem Focusing-Prozess stand sie für das Schmerzhafte, das Verletzliche, das Schutzbedürftige in mir. Nicht mehr und noch nicht:

Kastanie

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