Der geschenkte Tag

Wenn ich einen Tag geschenkt bekäme,
würde ich aufräumen mit meinem Leben.

Wenn ich mit meinem Leben aufräumen würde,
würde ich all das rausschmeißen, was nicht zu mir gehört.

Wenn ich all das rausgeschmissen hätte, was nicht zu mir gehört,
wäre ich frei.

Wenn ich frei wäre,
könnte ich einfach ich selbst sein.

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Neuanfang

Der Jahreswechsel ist ein Drehpunkt: Ich stehe bereits im Neuen Jahr und wende meinen Blick noch einmal zurück. Was sehe ich? Welche Gefühle und Erinnerungen kommen wieder? Was davon möchte ich festhalten, bewahren, würdigen? Wenn ich auf mein Jahr schaue, entdecke ich das:

anregend

Da ich sehr gerne lerne und mir neue Kontexte und Themen erschließe, hatte ich viele anregende Begegnungen und Veranstaltungen. Mein Studium „Biografisches und Kreatives Schreiben“ habe ich mit einer munteren Studiengruppe verbracht, mit der ich mich gleich Anfang des Jahres getroffen habe, um ein selbst organisiertes Kolloquium zur Masterarbeit in Iserlohn zu verbringen. Schließlich haben wir die Treffen noch im digitalen Raum fortgesetzt.

Anregend waren für mich auch die Netzwerktreffen in meinen verschiedenen Gruppen zu Focusing und Spiritualität – einzeln und in Verbindung. Focusing und Träume haben mir anregende Begegnungen in Fürth beschert in der Weiterbildung mit Ulrike Böhm. „Thinking at the Edge“ – Focusing und Philosophie bzw. Theorieentwicklung – habe ich in Würzburg und auf dem Achberg vertieft – und im Selbststudium.

Besonders inspierend waren auch die SIG-Treffen der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung, die ich besucht habe: Ausbildung von Peer-Schreibtutor*innen, SIG Vielfalt der freiberuflichen Schreibleute.

Sehr angeregt bin ich vom Kirchentag in Dortmund wieder nach Hause gefahren.

beschenkt

Als Geschenk habe ich insbesondere die Zusammenarbeit mit Kolleginnen im letzten Jahr erlebt: in biografischen und kreativen Schreibwerkstätten, beim Schreibretreat im Kloster Maria Laach, bei der Weiterbildung für die Ausbilder*innen von Peer-Schreibtutor*innen, in der HaMakom-Initative. Beschenkt fühle ich mich durch mein Frauenteam, mit dem ich mich regelmäßig zum kollegialen Austausch treffe. Außerdem habe ich im letzten Jahr wunderbare Schreibberatung durch die Masterarbeit erhalten und ein kollegiales Lektorat. Ebenfalls eine treue und regelmäßige Begleiterin ist meine Focusing-Partnerin. Ich bin auch beschenkt durch ein wundervolles Team in der Leitung meiner Kirchengemeinde. Reich beschenkt fühle ich mich durch meinen Hauskreis.

Seifenblasen in Dresden, C.Henkel
Seifenblasen in Dresden, C.Henkel

unbeschwert

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Teebeutelweisheiten

Nichts ist wie Du,
nichts war wie Du,
nichts wird je wie Du sein.

Während einer meiner Workshops der letzten Wochen mache ich mir eine Tasse Tee und finde diese Teebeutelweisheit. Sie spricht mitten hinein in mein Leben, über das ich gerade wieder viel nachdenke: Wohin geht die Reise? Was lasse ich hinter mir? Wie wird das Neue sein? Was nehme ich mit?

Und dann die überraschende Antwort: ich selbst. Nichts ist wie ich. Ich nehme mich mit. Mit allem, was zu mir gehört. Während ich immer wieder darüber nachdenke, wo mein Platz ist, entdecke ich ebenfalls überraschend: Hier. Mein Blog ist einer meiner Plätze, an denen ich ich sein kann. Natürlich nie mit allem, was mich ausmacht, das ließe sich auch nicht auf einer digitalen Schreibplattform ausdrücken! Dieses Schreiben bringt mich in Kontakt mit mir, ich gehe der Spur nach zu meinem Inneren, zum Lebendigen.

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Häutung

Es kribbelt am ganzen Körper
wenn die alte Haut sich löst.
Ablösungsprozesse.
Es splittert und knackt.
Zustand des Übergangs, der Schwebe
des nicht mehr und noch nicht

Beobachten, wie das Alte aufbricht
nicht mehr hält und trägt
und darunter
kommt die neue Haut hervor.
Noch ganz zart und dünn
geschmeidig und beweglich
noch nicht der Witterung ausgesetzt
absolut schutzlos
ganz sensibel und feinfühlig.
Spürt jede Bewegung
jeden Lufthauch.
Ihr fehlt noch die kräftige Farbe
sie ist noch durchscheinend, blass.
Lichtempfindlich.
Schutzbedürftig.

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Genug.

Nun habe ich mein Studium in Biografischem und Kreativem Schreiben (fast) abgeschlossen. Etwas wehmütig lese ich mir einige der entstandenen Texte durch und staune mal wieder über die Fülle und Tiefe, die ich dabei entdecke. Diesen Text aus dem 1. Semester möchte ich teilen, weil er heute neu gilt.

Genug ist genug.
Ich tu mir das nicht an.
Ich tu mir das nicht an,
genug ist genug.

Allein der Name ist
wie eine Lebensbotschaft für mich.
Diese Luft, diese Weite.
Botschaft fürs Leben.
Lebensbotschaft.

Ich bete, solange bis ich mich wieder
in dieser Welt aufgehoben fühle.
Ich streife das Gefühl von Verlassensein ab,
wie den Regenfilm nach einem intensiven Schauer.
Die Sonne in meinem Haar.
Diese Luft, diese Weite.

Nach einer langen Irrfahrt
komme ich endlich an.
Zuhause in mir.
In mir diese Luft, diese Weite.
Meine Lebensbotschaft.
Zuhause.

Genug.

 

 

Foto: Dirk Henkel

EigenARTig

Eigenartig
das Verstehen geschieht
wie ein Verdauen
einer fremden Erfahrung
die zur eigenen wird.

Etwas Neues geschieht
von atemberaubender Schönheit
betritt es die Bühne
Die versehrte Blüte
zeigt sich
in atemberaubender Schönheit
entsteht das Neue.

Nur durch das Verdauen
wird die unüberbrückbare Kluft
zum eigenen Denken überwunden.

Vorsichtig
Achtsam
bin ich Teil des intimen Prozesses
der uns geschieht.

Ich bin ich und
ich bin ganz verbunden.
Ich bin alles
Ich bin viel und leicht
Ich bin das Neue
und das Vertraute
Ich bin der Prozess
und das Unerwartete

 

* Inspiriert durch die TAE-Gruppe, September 2019, Würzburg

Photo by Seb Mooze on Unsplash

Buntes Leben

Ich habe Angst und möchte einfach gehalten werden.

Ich bin dankbar für meine Familie.

Ich breche auf, Neues zu entdecken, Altes hinter mir zu lassen.

Strukturen schaffen Ordnung und geben Orientierung.

Wissensdurst und Forschdrang eröffnen neue Horizonte.

Ich schätze sensiblen und wertschätzenden Umgang miteinander.

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Edelsteine

In der Höhle sein.
Auf den Grund des Höhlensees schauen.
Es glitzert von Edelsteinen.
Sie liegen verborgen auf dem Grund des Sees.
Sie glitzern.
Reich und erfüllt.
Wertvoll.

Woher kommt das Licht?
Ich blicke nach oben.
Eine große Öffnung in der Höhlendecke
wird sichtbar.
Licht flutet die Höhle.
Ich stelle mich in
das göttliche Licht der Erkenntnis.
Es durchstömt mich
fließt durch mich hindurch
bis auf den Grund meiner Seele.

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Blütenblatt

Vor Kurzem habe ich mit meiner Qigong-Lehrerin Susanne Schmitt einen Workshop angeboten: „Aus dem Herzen blühen Worte – Qigong und kreatives Schreiben“. In dieser bewegten und bewegenden Schreibwerkstatt sind wunderschöne Texte erblüht, die wir in einem bunten Blumenstrauß genossen haben. Einen Text einer Teilnehmerin, der im Nachklang entstanden ist, darf ich heute mit Euch teilen:

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Verrutscht

Ich gehe  in den Raum, steuere auf den Sessel am Fenster zu. Unter einer Lampe liegt ein Buch, es ist aufgeschlagen. Ich lese den ersten Satz.

„Ist mein Ziel verrutscht?“, fragte sie sich und passte es nochmal neu an. Sie wollte unbedingt in dieses Leben passen, aber immer wieder verrutschte etwas. Es zwickte und zwackte hier und da und manchmal war ein Tag zu groß und rutschte herunter. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt ihr Ziel formuliert hatte. Was wollte sie erreichen? Zu aufgetürmt lagen da die Aufgaben ihres Alltags. Manchmal reichte schon das alltäglich Nötigeste, um herauszufallen. Da fiel ihr das Aufstehen schon schwer – was wollte sie von diesem Tag? Oder ihre unendliche To-Do-Liste, die sie schon beim Frühstück angaffte, so dass sie den Mut verlor, irgendetwas anzupacken. Dann saß sie da, ihr Blick verlor sich in der Pfütze ihrer Teetasse und sie erstarrte. Bewegungslos verharrte sie so gleich morgens am Küchentisch. Verrutscht.

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