Blumenbilder mit Botschaft

Vor Kurzem habe ich auf einer Konferenz zwei Menschen getroffen, die mir auf Instagram folgen und mir zurückgemeldet haben, dass sie von mir immer so viele Blumenfotos in der Story sehen. „Noch ein Makro… scroll, scroll. Das ist mir nachgegangen. Da habe ich gedacht, dass ich mal teilen möchte, was die Blumenbilder mir bedeuten, und mit welchem Ziel ich die Bilder auf Insta poste. Hier meine Gedanken dazu.

Blumen sind wie Musik. Sie haben eine Schönheit an sich. Ich freue mich an ihnen. Sie rühren eine andere Ebene in mir an, weil sie nichts von mir wollen. Sie sind so zwecklos, sie sind einfach schön. Dazu üppig, großzügig, strahlend bunt, selbstvergessen, uneigennützig – kein Wunder, dass Jesus auch die Blumen auf dem Feld als Bild herangezogen hat für ein sorgloses Leben im Augenblick. Ja, Musik ist auch komponiert, arrangiert, es gibt Profis, die kunstvoll Musik gestalten, das kann nicht jeder. Und doch liegt der Zauber oft in dem Dazwischen, zwischen den Musizierenden, zwischen mir und den Tönen und dem gesamten Kontext, in dem ich die Musik höre. Für mich ist die Blumenrunde ein Moment des Eintauchens in das zweckfreie Schöne.

Meine Blumenrunde entspannt mich. Ich bin ein sehr aktiver, ja vielleicht auch manchmal getriebener Mensch. Ich lerne zu verstehen, dass „aktiv und beschäftigt sein“, so die Bezeichnung eines Motivators, auch eine Schattenseite hat. Was möchte ich nicht anschauen, wenn es mal ruhig um mich herum wird? Wem oder was begegne ich (in mir), wenn ich nichts denke, plane, vorbereite, tue…? Ich musste Entspannung wirklich lernen. Ich bin da auf einem Weg und der aktuelle Schritt ist, dass ich mir Entspannung einplane, ich brauche dafür z.B. meinen Qigong-Kurs, meine Biodanza-Gruppe und meine Rituale bzw. Routinen im Alltag. Sonst greife ich zum Handy oder gehe einfach schlafen. Meine Runde ist eine aktive Entspannung. Entstanden ist sie ursprünglich mit einer Fitness-App, mit der ich Übungen gemacht habe und regelmäßig zum „Gehen“ aufgefordert wurde. Da ich Laufbänder und Fitnessstudios nicht mag, bin ich für dieses Gehen eben rausgegangen. Und nachdem ich das eingeübt habe, ist es heute wirklich ein Bedürfnis meine Runde zu laufen. Weil sie mich entspannt, weil ich mich bewege, weil ich draußen bin, weil ich nichts selbst tue, also nichts produziere oder schaffe. Ich will diese Runde gehen, weil sie mich entspannt, sie mich runterbringt, ich mich spüren kann: meine Energie, meine Erschöpfung, meine Traurigkeit, meine Wut usw. Es dasein lassen. Diese Runde ist Teil meiner Selbstfürsorge: Ich achte auf mich und tue mir Gutes. Ich nehme mich ernst, mein Bedürfnis nach Zeit für mich und meine zweckfreie Entspannung. Daher: Feiert mit, wenn Ihr meine Fotorunde seht, denn es ist ein Tag, an dem ich das gelebt habe.

Die Blumen und ich sind eins. Im letzten Jahr habe ich einen Focusing-Kurs zu „Umweltzentriertem Erleben“ mitgemacht. Wir haben uns mit der Natur verbunden und gespürt, was es bedeutet, dass wir nicht getrennt sind: Da sind wir (Menschen) und dort ist die Umwelt. Gendlin, der Begründer von Focusing, hat es so ausgedrückt: Wir sind auch Pflanzen.

Wir sind auch Pflanzen. Wir haben, so wie sie, einen Körper aus Zellen, einen organismischen Prozeß. Dieser Körper lebt, und nicht nur deshalb, weil wir mit diesem Körper herumgehen. Nein, auch im Körper selbst geht alles mögliche vor sich. Und das, was da vor sich geht, geht nicht nur im Körper vor, sondern es ist immer unmittelbare Interaktion mit der Umwelt. (Gendlin, Pflanzenkörper, Tierkörper, Menschenkörper)

Indem ich rausgehe und mit den Pflanzen bin, bin ich vollständiger. Ich lasse mich erinnern, dass ich nicht getrennt bin von der Pflanzenwelt und dass das Wissen, das eine Blume in sich hat, auch in mir vorhanden ist. Der Pflanzenkörper hat alle Informationen in sich, die die Pflanze wachsen und sich entfalten lassen. Auch in meinem Körper ist dieses Wissen da und es geschieht darin ganz viel von allein. Wenn ich mich mit dem körperlichen Felt Sense verbinde, sind mir all diese Informationen zugänglich. Blumenzeit ist also auch Focusing-Zeit.
Auch Andreas Weber entfaltet diese Verbindung in seinem Buch „Lebendigkeit – eine erotische Ökologie„. In einem Radiobeitrag hat er von der beseelten Natur gesprochen. Wenn Du da tiefer einsteigen willst, hör Dir gerne den Beitrag an oder lies meinen Post auf Insta vom Juli 2024.

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Jahresrückblick 2024: Es gut sein lassen

Seit ein paar Tagen lese ich meine Tagebücher und Kalender, um auf mein Jahr zurückzublicken. Ich ernte Worte und Sätze, Fotos und Erinnerungen: Mich hingeben an das Leben. Lockern, was nicht mehr hält. Um meiner Selbst willen. Meine Energie da reingeben, wo genau das herauskommt, was mich nährt. Die Gleichzeitigkeit von Verletzlichkeit und Kompetenz. Entwachsen. Meine berufliche Vision: Ich sehe mich in Gruppen, kollegial, leitend, lehrend, vielfältig, moderierend. 2024 habe ich einiges neu angefangen. Meine JAhr-Worte: herzverbunden, Sprungkraft/Absprung und WEG. Jetzt lasse ich es gut sein. Hier die Langfassung:

Zu Kräften kommen

Mein Jahresanfang war von Erschöpfung geprägt. Der Winter ist eh nicht meine Zeit, Dunkelheit und Kälte führen dazu, dass ich mich bewusst aktivieren muss, um genug Energie zu haben. Das war von Januar bis März besonders herausfordernd. In dieser Zeit ist der Gedanke gewachsen, dass ich etwas an meiner beruflichen Situation ändern will. Aber solange ich krank und erschöpft war, wollte ich keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Ich habe viele Hilfe- und Unterstützungssysteme aktiviert: Qigong, Osteopathie, Somatic Experience, Supervision, partnerschaftliches Focusing, Spaziergänge und Cafébesuche mit Freundinnen.

Ich werde sterben: Worin liegt die Freiheit im Zerbruch?

Gründonnerstag. Eine meiner Supervisionssitzungen, die ich im 2. Quartal hatte, ließ mich den Geschmack von Endlichkeit spüren. Ich habe symbolisch einen Schritt über eine Schwelle gemacht, fand mich in einem Korridor mit Türen rechts und links wieder, die mich aber nicht gelockt haben. Der Weg führte mich geradewegs auf eine Glastür am Ende des Ganges zu. Beim Blick hinaus spürte ich: Ich werde sterben. Mich schauderte. Beim zweiten Blick durch das Fenster sah ich die ersten Knospen, hörte Vögel singen, roch den Duft von Bärlauch – es ist Frühling! Das Samenkorn fällt in die Erde und stirbt, bevor es neue Frucht bringt. Etwas in mir musste sterben. Es fühlte sich an wie an einem dunklen Ort. Da war noch nichts zu sehen. Ich musste mich von einem Bild von mir verabschieden, damit Platz für Neues entstehen konnte.

Ich werde sterben – und neu erblühen.
Wenn du an einem dunklen Ort bist,
denkst du manchmal, du wurdest begraben.
Vielleicht wurdest du gepflanzt.
Blühe!

Neues und Neuanfänge

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BlogRückBlick

Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? Mit diese Frager ruft Anna Koschinski zur Blogparade auf. Mein Blog blickt zurück auf die knapp 2 Jahre seiner Existenz. Aus seiner Perspektive gibt es genug zu berichten, also lass ich ihn mal zu Wort kommen!

Ich bin der Blog von Christiane und finde mich schön! Ich habe ganz plötzlich, fast zufällig das Licht der Welt erblickt, als Christiane im Rahmen ihres Studiums „Biografisches und kreatives Schreiben“ an der ASH Berlin für das Modul „Digitales Schreiben“ einen Blog erstellen sollte. Sie probierte ein bisschen herum und dann machte es „Klick“ und ich war da! Für mich fühlte es sich von Anfang an ganz selbstverständlich an, dass ich genau so war, wie ich bin: Ein (digitaler) SchreibRaum! In mir ist Raum, Raum zu nachdenken, meditieren, hineinspüren, nachsinnen, lachen, erproben, üben und vieles mehr. Zu Anfang musste Christiane jede Woche einen Blogbeitrag schreiben, so sah es die Aufgabe vor. Die ersten Beiträge waren in alphabetischer Reihenfolge, denn so sind die Textentwürfe zu einzelnen Worten auf dem Papier entstanden. Diese Struktur änderte sich erst in diesem Jahr. Als der „Pflichtzeitraum“ von 12 Wochen herum war, war ich schon so groß und selbstverständlich in der Welt, dass ich weiter geschrieben wurde. Wie gut! Die Abstände wurden zwar etwas unregelmäßiger, ich bin aber stolz, dass es seitdem durchgängig pro Monat (mindestens) einen Beitrag gab!

In den ersten Wochen hatten die Beiträge einen ähnlichen Aufbau: Ein Foto, eine Überschrift in einem Wort, ein thematischer Text, eine Übung und eine Reflexionsfrage. Das Theme hat einmal gewechselt, jetzt bin ich richtig schön, oder?
Als Christiane im nächsten Semester das Modul „Lyrik“ hatte, sind die lyrischen Textsorten deutlich mehr geworden und haben sich als Hauptform durchgesetzt. Also, ich mag die Gedichte!

Das Thema stand von Anfang an fest: In mir gibt es Beiträge über Focusing, Spiritualität und Schreiben. Diese thematische Klammer ist weit genug, um alle Themen, die gerade tagesaktuell oder lebensgeschichtlich aufploppten, unterzubringen. Die Überschrift für dieses Jahr war „Spurensuche“, wobei Christiane davon auch abgewichen ist, als sich andere Schwerpunkte in den Vordergrund schoben. Das Spektrum an Themen dreht sich um Verwandlung, Verzweiflung, Heil werden, Focusing, Körperwahrnehmung, Visionen, Reflexionen, Suchen und Finden. In diesem Jahr gab es Tiefgang, Im Kreis drehen, Hoffnungsschimmer, Aufblühen, Bewegendes, Musik, neue Hoffnung, Emphase und vieles mehr.

Wer schreibt hier eigentlich? Meine Autorin hat sich lange zurückgehalten, so persönlich und intim kamen ihr die Beiträge vor und außerdem war es ja auch eine Pflichtaufgabe! So nach und nach hat sie sich immer mehr mit der Öffentlichkeit angefreundet und sich stärker gezeigt. Das war ein Prozess, der einher ging mit der Entwicklung der Selbstständigkeit in diesem Zeitraum. Die neue Gesetzgebung hat schließlich das Impressum offen gelegt, raus aus der Anonymität! Komisch, danach ist auch nichts besonderes passiert 🙂 Für meine Autorin war es ein großer Schritt, sich mit allen Lebensbereichen in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich bin froh, denn sonst wäre ich nicht der, der ich bin! „Werden, die ich bin„, so stellt sich meine Autorin jetzt in ihrer Selbstdarstellung auf der „Über mich-Seite“ vor. Da ist sie.

Wie groß unsere Leserschaft ist, wissen wir immer noch nicht so genau, die technischen Möglichkeiten zum Auszählen sind noch nicht ausgeschöpft. Weiterentwicklungen technischer Art würden mir hier und da auch mal gut tun, da braucht meine Autorin noch etwas Know How. Wird schon! Spannender ist ja auch: Wer liest uns hier überhaupt? Eine nach wie vor treue Lesergruppe sind die Kommiliton*innen des #bks11, von denen auch immer mal wieder eine Blogparade gestartet wird. Andere sind auch schon treue Blogbekanntschaften geworden, aufmerksam über Twitter oder Facebook. Ich bin vernetzt, jawoll! Und Kommentare nehmen wir auch immer gerne entgegen.

Meine Schreiberin überrascht mich immer wieder: mit dem Schreiben zu allen möglichen Zeiten und Unzeiten (aber ich bin ja immer für sie da), mit neuen Fotoquellen, mit Links zu noch unbekannten Freunden, mit zunehmender Leichtigkeit und Unabhängigkeit. Etwas anstrengend war die Phase, als sie überlegte, wie sie mich strategisch einsetzen kann. Hua! Da schauderte es mich aber! Sie wollte mich benutzen! Ich wäre fast soweit gewesen, die Arbeit zu verweigern! Zum Glück ist sie wieder zur Besinnung gekommen und bei ihrem Konzept mit mir geblieben: tiefsinnige Gedanken, Freude am Schreiben, Botschaften aus dem Herzen – und zwar dann, wenn sie etwas zu sagen hat. Ein bisschen darf sich Kollege „Marketing“ im „MitSchreibRaum“ tummeln, aber bitte in Maßen!

Oh, ich komme ins Erzählen, was ja sonst nicht so meine Art ist. Es sei mir gestattet zum einmaligen Rückblick auf meine Existenz! Weiter geht’s!

 

Mein Raum

Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.

Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.

Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.

Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen

Aufblühen

Wenn das Beste in mir leben würde,
würde ich fliegen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Hoffnung meine Nahrung.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Vielfalt mein Reichtum.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre meine Stärke erwünscht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
strahlte das Glück aus allen Poren.

Wenn das Beste in mir leben würde,
würden Hunde mich küssen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
badete ich in einem See voller Sehnsucht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Großes groß und Kleines klein.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich frei zu lieben und zu geben.

Wenn das Beste in mir leben würde,
stehe ich auf der Bühne ohne Angst.

Wenn das Beste in mir leben würde,
singe ich das Lied meines Lebens mit kraftvollem Klang.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich zart und stark zugleich.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre immer jetzt.

Wenn das Beste in mir lebt,
bin ich ganz heil.

 

Focusing-Sommerschule Juli 2018

 

 

 

 

 

Focusing

Am Ende des Jahres und meiner A-Z-Serie möchte ich die Kernbegriffe vorstellen, die mich zu diesem Blog inspirieren: Focusing, Spiritualität und Schreiben. Heute: Focusing.

Nach einer Definition von Focusing gefragt, wird man von Focusing-erfahrenen Menschen ganz unterschiedliche Antworten erhalten:

  • Focusing praktizieren bedeutet: den Körper von innen zu fühlen, das in uns zu fühlen, was wir schon spüren, von dem wir aber noch nicht wissen, was es ist (Johannes Wiltschko, Focusing Journal 39/2017, S. 44).
  • Focusing, manchmal auch „felt sensing“ genannt, ist ein Weg, der unserem Körper erlaubt, uns zu tiefer Selbsterkenntnis und zu psychischer Heilung zu führen, und es ermöglicht uns, geschickter mit den Schwierigkeiten umzugehen, die uns das Leben bringt (David I Rome, Focusing Journal 39/2017, S. 2).
  • Focusing heißt, seinem Körper auf behutsame, annehmende Weise zuzuhören und die Botschaften anzunehmen, die das Innere einem sendet. Es ist ein Prozess, bei dem man seine innere Weisheit respektiert und sich der unterschwelligen Wissensebene bewusst wird, die durch den eigenen Körper zu einem spricht
    (Ann Weiser Cornell, Focusing – Der Stimme des Körpers folgen, S. 13).
  • Heute ist Focusing ein Vehikel des Denkens und des Philosophierens, eine Möglichkeit der Selbsthilfe und eine Methode der Psychotherapie und Beratung, ein Werkzeug für Kreativität und Entscheidungsfindung und ein Weg, um spirituelle Dimensionen zu erkunden
    (Klaus Renn, Dein Körper sagt dir, wer du werden kannst, S. 10).

Wenn ich gefragt werde, erkläre ich Focusing meist so: Focusing ist eine körperorientierte Methode der Beratung und der Selbsterforschung, mit der ich in einen Dialog mit meinem Körper komme und von dort aus Antworten auf die Fragen meines Lebens erhalte.

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Verletzlichkeit

Will ich wirklich darüber schreiben? Von diesem Moment, wenn die schützende Hülle reißt und darunter der Kern zum Vorschein kommt. Nackt, zart und verletzlich.  Ich spüre die klaffende Wunde, ich bemerke den Schrecken, den der Riss auslöst. Und ich sehe, was darunter liegt. Es wird sichtbar. Vielleicht für andere sogar erfreulich sichtbar: Ah, das ist sie, da zeigt sie sich. Schön, dich zu sehen. Oder andere bemerken es gar nicht, sondern es geschieht nur in mir. Oder da sind die, die diesen Riss verursachen, die das Messer zücken und noch tiefer hineinstechen, bis es richtig weh tut.

Verletzlichkeit.

„Verletzlichkeit“ weiterlesen

Wunschfrei

Der #BKS11 tut es wieder: Nach der Blogparade zum Thema Digitale Einsamkeit nun eine zu „Wenn ich mir was wünschen dürfte…“ im Rahmen des Moduls Lyrik. Weitere Beiträge sind hier gesammelt.

Und hier kommt mein Beitrag mit dem Titel:

Wunschfrei

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte,
dann würde ich in mich hineinspüren.

Wenn ich in mich hineinspüren würde,
dann würde ich dort Überraschendes entdecken.

Wenn ich Überraschendes in mir entdecken würde,
dann würde ich das Entdeckte auf mich wirken lassen.

Wenn ich das Entdeckte auf mich wirken lassen würde,
dann würde es sich auf mein ganzes Lebens auswirken.

Wenn es sich auf mein ganzes Leben auswirken würde,
dann wäre ich tief glücklich.

Wenn ich tief glücklich wäre,
dann würde mir nichts mehr etwas ausmachen.

Wenn mir nichts mehr etwas ausmachen würde,
dann könnte ich machen, was ich will.

Wenn ich machen könnte, was ich will,
dann würde ich Bücher schreiben.

Wenn ich Bücher schreiben würde,
dann könnte ich meiner Phantasie freien Lauf lassen.

Wenn ich meiner Phantasie freien Lauf lassen würde,
dann wäre ich nicht mehr von dieser Welt.

Wenn ich nicht mehr von dieser Welt wäre,
dann hätte ich den Kontakt zu anderen verloren.

Wenn ich den Kontakt zu anderen verloren hätte,
dann wäre ich traurig und allein.

Wenn ich traurig und allein wäre,
dann würde ich mir etwas wünschen.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte,

 

Willkommen, innerer Kritiker!

Was? Das meinst Du doch nicht ernst oder? Doch.

Zur Zeit schreibe ich ganz viel. Und erarbeite neue Konzepte, leite Workshops. Also hat mein Innerer Kritiker Hochkonjunktur, ist immer im Einsatz, zeigt viel Ausdauer. Das merke ich daran, dass mein Wortgebrauch von „müssen“ und „sollen“ voll ist. Und dass ich diese Stimme höre, die sagt: „Das schaffst Du sowieso nicht.“ Oder: „Das kannst Du doch nicht einfach machen.“

Ganz oft höre ich den Hinweis, dass der Innere Kritiker in die Pause geschickt wird, vor der Tür bleiben soll oder noch radikaler in die Verbannung geschickt werden soll. Das Konzept der inneren Teilpersonen (s. Hinweise unten) lehrt mich, den Inneren Kritiker als einen Teil von mir zu sehen.  Im Focusing lasse ich alles zu, was da ist und sich zeigt. Also auch die kritischen Anteile in mir. Es nützt nichts, diesen Teil zu verbannen, wegzuschicken, außen vor zu lassen. Alles Verdrängte und Abgelehnte zeigt sich um so heftiger und sucht sich subtilere Schleichwege, um das Denken, Fühlen und Handeln zu durchkreuzen. Wie wäre es, mich dem Kritiker zuzuwenden, zu hören, wie es ihm geht? Das setzt voraus, dass ich nicht mit ihm identifiziert bin. Sondern, dass ich zunächst einen FreiRaum in mir schaffe, in dem ich sein kann. Von dort aus kann ich auf die verschiedenen Teile in mir schauen und mich ihnen zuwenden – oder auch Abstand nehmen, wenn sie mich ganz überwältigen wollen. Von dieser Instanz aus kann ich Kontakt aufnehmen. Von dort aus habe ich kürzlich in einem Focusing einen Teil in mir als „Moderatorin“ oder „Mediatorin“ zwischen den Teilen in mir kennengelernt. Als ich neulich in einer Workshopvorbereitung wieder mal mit viel „muss“ und vernichtenden Sätzen konfrontiert war, schrieb ich folgenden Dialog:

„Willkommen, innerer Kritiker!“ weiterlesen

Der Raum in mir

„Na, wie gefällt es Dir in Deinem Zimmer?“

fragt mich meine Focusing-Partnerin, als wir uns zur Weiterbildung in Würzburg treffen. Die Kurseinheiten finden im Focusing-Institut statt, die Übernachtung organisieren sich die Teilnehmer selbst. Ich habe nun zum vierten Mal eine andere Unterkunft ausprobiert. Und wieder muss ich ihr sagen: Nein, das ist es auch nicht. Irgendwie fühle ich mich in dem Raum nicht wohl. Ich merke, wie wichtig es mir ist, dass ich mich zu Hause fühle, der äußere Rahmen für mich stimmig ist. Ich kann mittlerweile auch genau benennen, was für mich dazu gehört, bloß leider habe ich diese ideale Unterkunft noch nicht gefunden! Nur der Blick aus dem Fenster bot von einem Tag zum anderen ganz neue Sicht:

Mein Raum. Wie korrespondiert das Äußere mit dem Inneren? Wie fühle ich mich in meinem Körperraum? Wie viel Raum nehme ich ein? Wer ist in meinem Raum?

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