Ich suche den Raum,
wo keiner mehr spricht.
Ich höre so viele Stimmen in mir,
Stimmen von außen,
Stimmen von innen,
die mir alles Mögliche
lauter oder leiser
einflüstern:
Ich suche den Raum,
wo keiner mehr spricht.
Ich höre so viele Stimmen in mir,
Stimmen von außen,
Stimmen von innen,
die mir alles Mögliche
lauter oder leiser
einflüstern:
Stets aufs Neue scheitern.
Es wird wieder geschehen.
Das Erreichen der Unzulänglichkeit.
Der Verlust der Kontrolle.
Die Grenze des Machbaren.
Das Eingeständnis von Unwissenheit.
Das Loslassen ins Nichts
Auferstehen in Freiheit
Alles hinter mir lassen
Den unendlichen Augenblick größer werden lassen
Ich löse mich auf im Jetzt
Ich bin mit allem verbunden
Mich verlieren im Meer der Unendlichkeit
Erst später, viel viel später
schaue ich zurück.
Heute blühen hier Organenbäume,
ihr Duft durchströmt das Land
und lockt viele an,
Besucher und Insekten.
Heute wächst hier die Frucht
all dessen
nie geahnt
nie geplant.
Es ist geboren aus dem Vertrauen
dem Vertrauen in das Leben
dunkle Erde, frische Energie
Tiefe.
Ich liege im Gras auf dem Grundstück meiner Kindheit und lasse mich von Sternschnuppen beregnen. Soooo viele Wünsche!
Weißt Du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt Du wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt.
Gott, der Herr, hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht, eines fehlet
an der ganzen großen Zahl,
an der ganzen großen Zahl.
Dabei stechen mich die Mücken, die durch die laue Sommernacht schwirren.
Weißt Du wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut?
Weißt Du wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wellenflut?
Gott, der Herr, rief sie mit Namen,
dass sie all ins Leben kamen,
dass sie nun so frühlich sind,
dass sie nun so frühlich sind.
Ich übernachte in dem Zimmer meiner Kindheit, vieles ist vertraut, vieles hat sich geändert.
Weißt Du wie viel Kinder frühe
stehn aus ihrem Bette auf,
dass sie ohne Sorg und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
seine Lust, sein Wohlgefallen;
kennt auch dich und hat dich lieb,
kennt auch dich und hat dich lieb.
Ein Gute-Nacht-Lied meiner Kindheit.
Wer singt es mir heute?
* Um meinen Geburtstag herum haben immer die Perseiden Saison.
Photo by Michał Mancewicz on Unsplash
Photo by Michał Mancewicz on Unsplash
Der Jahreswechsel ist ein Drehpunkt: Ich stehe bereits im Neuen Jahr und wende meinen Blick noch einmal zurück. Was sehe ich? Welche Gefühle und Erinnerungen kommen wieder? Was davon möchte ich festhalten, bewahren, würdigen? Wenn ich auf mein Jahr schaue, entdecke ich das:
Da ich sehr gerne lerne und mir neue Kontexte und Themen erschließe, hatte ich viele anregende Begegnungen und Veranstaltungen. Mein Studium „Biografisches und Kreatives Schreiben“ habe ich mit einer munteren Studiengruppe verbracht, mit der ich mich gleich Anfang des Jahres getroffen habe, um ein selbst organisiertes Kolloquium zur Masterarbeit in Iserlohn zu verbringen. Schließlich haben wir die Treffen noch im digitalen Raum fortgesetzt.
Anregend waren für mich auch die Netzwerktreffen in meinen verschiedenen Gruppen zu Focusing und Spiritualität – einzeln und in Verbindung. Focusing und Träume haben mir anregende Begegnungen in Fürth beschert in der Weiterbildung mit Ulrike Böhm. „Thinking at the Edge“ – Focusing und Philosophie bzw. Theorieentwicklung – habe ich in Würzburg und auf dem Achberg vertieft – und im Selbststudium.
Besonders inspierend waren auch die SIG-Treffen der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung, die ich besucht habe: Ausbildung von Peer-Schreibtutor*innen, SIG Vielfalt der freiberuflichen Schreibleute.
Sehr angeregt bin ich vom Kirchentag in Dortmund wieder nach Hause gefahren.
Als Geschenk habe ich insbesondere die Zusammenarbeit mit Kolleginnen im letzten Jahr erlebt: in biografischen und kreativen Schreibwerkstätten, beim Schreibretreat im Kloster Maria Laach, bei der Weiterbildung für die Ausbilder*innen von Peer-Schreibtutor*innen, in der HaMakom-Initative. Beschenkt fühle ich mich durch mein Frauenteam, mit dem ich mich regelmäßig zum kollegialen Austausch treffe. Außerdem habe ich im letzten Jahr wunderbare Schreibberatung durch die Masterarbeit erhalten und ein kollegiales Lektorat. Ebenfalls eine treue und regelmäßige Begleiterin ist meine Focusing-Partnerin. Ich bin auch beschenkt durch ein wundervolles Team in der Leitung meiner Kirchengemeinde. Reich beschenkt fühle ich mich durch meinen Hauskreis.

Es kribbelt am ganzen Körper
wenn die alte Haut sich löst.
Ablösungsprozesse.
Es splittert und knackt.
Zustand des Übergangs, der Schwebe
des nicht mehr und noch nicht
Beobachten, wie das Alte aufbricht
nicht mehr hält und trägt
und darunter
kommt die neue Haut hervor.
Noch ganz zart und dünn
geschmeidig und beweglich
noch nicht der Witterung ausgesetzt
absolut schutzlos
ganz sensibel und feinfühlig.
Spürt jede Bewegung
jeden Lufthauch.
Ihr fehlt noch die kräftige Farbe
sie ist noch durchscheinend, blass.
Lichtempfindlich.
Schutzbedürftig.
In der Höhle sein.
Auf den Grund des Höhlensees schauen.
Es glitzert von Edelsteinen.
Sie liegen verborgen auf dem Grund des Sees.
Sie glitzern.
Reich und erfüllt.
Wertvoll.
Woher kommt das Licht?
Ich blicke nach oben.
Eine große Öffnung in der Höhlendecke
wird sichtbar.
Licht flutet die Höhle.
Ich stelle mich in
das göttliche Licht der Erkenntnis.
Es durchstömt mich
fließt durch mich hindurch
bis auf den Grund meiner Seele.
Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.
Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.
Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.
Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen
Wie wäre es,
einmal nur
frei zu sein
nur ich pur
ohne Zwänge
und Pein
einfach nur Sein.
Mut treibt mich voran
Angst hält mir zurück
Wo ist der Schlüssel
zum Glück?
Klar steht sie vor mir
unmissverständlich
die Botschaft an mich.
Traue ich meinen Augen?
Spüre ich mein Herz?
Lasse ich los, was mich stört?
Bin ich frei
zu gehen und zu lassen
was mich einengt
und mich zwängt
in die Jacke der Vernunft?
Zögernd nur
setz ich den Schritt
bleib stehen
blick zurück
misstraue – mir.
Immer wieder
ist der Weg versperrt
ich im Nebel
fühle mich verkehrt
nicht richtig im Leben
Und dann
blitzt es wieder auf:
Da ist es!
Ich meine es zu fassen
und schon entgleitet es wieder –
lassen.
Langsam
Langsam kommt
Langsam kommt es
Langsam kommt es heraus „Wachstumsspuren“ weiterlesen
Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „April, April, der weiß nicht, was er will“ des #BKS11. Alle Schreiblustigen aus unserem Masterstudiengang Biografisches und Kreatives Scheiben an der ASH Berlin (#BKS11) sind herzlich eingeladen, ebenso wie alle anderen schreibfreudigen Bloggerinnen und Blogger.
Das Thema ist frei interpretierbar – als Gedicht, Kurzgeschichte, Collage u.a. Aber es gibt eine kreative Herausforderung (contrainte): Es sollen nur Wörter verwendet werden, die ein „a“ enthalten („ä“ gilt auch). Die „contrainte“ ist eine kreative Methode aus der „Werkstatt für Potentielle Literatur“ OuLiPo (L‘ Ouvroir de Littérature Potentielle). Durch die selbstauferlegten formalen oder inhaltlichen Textbildungsregelungen sollen die verborgenen Potentiale der Sprache entdeckt werden.
