Schreib_Spur

Ich ziehe eine Schreibspur aus Wörtern hinter mir her.

So viel wie im letzten Jahr habe ich lange nicht mehr geschrieben! Seit meiner Diss vielleicht, die ich schließlich auf gut 400 Seiten komprimiert habe – nicht mitgezählt all die Hunderte von Dateien mit Vorversionen. Und auch ganz zu schweigen von meinem Forschungstagebuch von fast 800 Seiten, in dem ich alle Gedanken entwickelt, alle Schreibblockaden reflektiert und alle Krisen aufgearbeitet habe. Mit der Abgabe habe ich es geschlossen und nicht wieder angefasst.

Jetzt schreibe ich wieder mehr, aber ganz anders, vielfältiger.  In meinem Studium an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin fragte mich neulich eine Kommilitonin in einem Feedback auf eine Schreibaufgabe, warum ich schreibe. Diese Frage nehme ich mir heute vor, um sie hier durchzubuchstabieren. Schließlich handelt dieser Blog auch vom Schreiben. Damit setze ich auch meine Serie zu den „Grundbegriffen“ fort…

Ich schreibe

… um zu denken
… um mir meine Gedanken sichtbar zu machen
… um mich auszudrücken
… um meine Spur zu erkennen „Schreib_Spur“ weiterlesen

Zurückblicken und Ziele fokussieren

Zum Jahresende blicke ich zurück. Dieser Blogbeitrag schließt das Jahr und auch die Blogreihe von A-Z ab. Was sehe ich im Rückblick? Wie schaue ich auf das neue Jahr? Ich bin keine Planerin, daher hatte ich keine Liste mit Zielen für 2017 und werde auch keine für das nächste Jahr haben. Was ich jetzt aber habe: einen Tageskalender mit Einträgen an jedem Abend, ab Februar 6 Bücher mit Morgenseiten, dazu noch weitere Tagebucheinträge, Studiumstexte, Blogtexte, Mails, facebook-Einträge, ein Buch – sehr viel Geschriebenes.

Auf welche Art und Weise möchte ich hier auf mein Jahr zurückblicken?
„Zurückblicken und Ziele fokussieren“ weiterlesen

Wundersam – Mias Blog-Adventskalender

Dieser Beitrag gehört zum Blog-Adventskalender, den Mia dieses Jahr als Reihum-Geschichte ins Leben gerufen hat. Daran haben nun schon einige mitgeschrieben, was Ihr hier in kursiv lest. Heute schreibe ich 10 Sätze weiter. Und bis Heilig Abend spinnen noch andere die Geschichte um Gertrud und das Glitzerding weiter… Morgen geht es bei Sonja weiter.

Trauer

Trauer ist ein lang anhaltendes Gefühl.

In den letzten Wochen ist mir meine Trauer wieder sehr nah gekommen. Ich habe zwei Texte geschrieben, die mit dem Verlust  eines geliebten Menschen zu tun haben. Trauer geht nicht vorbei, ich komme nicht „darüber hinweg“, zwar ändert sie sich, das Gefühl, die Erinnerungen, die Art der Gedanken. Dennoch ist sie immer wieder neu existentiell, tiefgreifend, aufwühlend, schmerzhaft.

Ich fühle mich verlassen, leer gefegt, alle Räume in mir sind karg, unbelebt, leer. „Ich fühl mich unbewohnt“, singt es Herbert Grönemeyer treffend nach dem schmerzhaften Verlust seiner Frau. „Geh zum Kühlschrank, mach ihn auf, er ist kalt, er ist leer.“ Kälte ist ein Trauergefühl. Wenn mir gerade mal wieder besonders oft kalt ist, merke ich, wie sich die Trauer in mir breit macht, sich hineinschleicht in meinen Körper. Alles zieht sich zusammen, versucht dieses Vakuum zu füllen. Aber da ist nur Kälte und Leere. Verlorensein, verlassen sein, unendliche Einsamkeit. Grönemeyer vergleicht den Zustand in dem Lied mit einer leeren Wohnung: „Trauer“ weiterlesen

Willkommen, innerer Kritiker!

Was? Das meinst Du doch nicht ernst oder? Doch.

Zur Zeit schreibe ich ganz viel. Und erarbeite neue Konzepte, leite Workshops. Also hat mein Innerer Kritiker Hochkonjunktur, ist immer im Einsatz, zeigt viel Ausdauer. Das merke ich daran, dass mein Wortgebrauch von „müssen“ und „sollen“ voll ist. Und dass ich diese Stimme höre, die sagt: „Das schaffst Du sowieso nicht.“ Oder: „Das kannst Du doch nicht einfach machen.“

Ganz oft höre ich den Hinweis, dass der Innere Kritiker in die Pause geschickt wird, vor der Tür bleiben soll oder noch radikaler in die Verbannung geschickt werden soll. Das Konzept der inneren Teilpersonen (s. Hinweise unten) lehrt mich, den Inneren Kritiker als einen Teil von mir zu sehen.  Im Focusing lasse ich alles zu, was da ist und sich zeigt. Also auch die kritischen Anteile in mir. Es nützt nichts, diesen Teil zu verbannen, wegzuschicken, außen vor zu lassen. Alles Verdrängte und Abgelehnte zeigt sich um so heftiger und sucht sich subtilere Schleichwege, um das Denken, Fühlen und Handeln zu durchkreuzen. Wie wäre es, mich dem Kritiker zuzuwenden, zu hören, wie es ihm geht? Das setzt voraus, dass ich nicht mit ihm identifiziert bin. Sondern, dass ich zunächst einen FreiRaum in mir schaffe, in dem ich sein kann. Von dort aus kann ich auf die verschiedenen Teile in mir schauen und mich ihnen zuwenden – oder auch Abstand nehmen, wenn sie mich ganz überwältigen wollen. Von dieser Instanz aus kann ich Kontakt aufnehmen. Von dort aus habe ich kürzlich in einem Focusing einen Teil in mir als „Moderatorin“ oder „Mediatorin“ zwischen den Teilen in mir kennengelernt. Als ich neulich in einer Workshopvorbereitung wieder mal mit viel „muss“ und vernichtenden Sätzen konfrontiert war, schrieb ich folgenden Dialog:

„Willkommen, innerer Kritiker!“ weiterlesen

Schatzkiste

Ich tauche immer tiefer ein in die Reise zu mir selbst. Durchschreite meinen inneren Raum, mache Entdeckungen, setze mich hin, hör mir zu, mach das Licht an, kuschel mich ein. Ich begegne meinen tiefsten Ängsten, meiner Begeisterung, meinem kindlichen Mut, meiner unbändigen Freude. Ich drücke das, was ich dort finde aus: beim Tanzen, beim Theaterspielen, beim Weinen, beim Klavierspielen. Im Focusing öffne ich mich den Bildern, Gefühlen, Erinnerungen und versuche Worte dafür zu finden. Mein Körper zeigt mir, was ich sehen darf, und verschließt sich, wenn ich zu nah komme.

Auf dieser Reise bin ich auf Erinnerungen gestoßen. Die haben mich wieder in Kontakt gebracht mit Phasen in meinem Leben, in denen ich schon sehr viel geschrieben habe. Heute fand ich im untersten Fach meines Schreibtisches Mappen mit Texten. Ich blätterte darin, dann setzte ich mich aufs Sofa und las. Mein Erstaunen wurde immer größer. Das habe ich wirklich schon mit Anfang 20 geschrieben? Wie diesen Text: „Schatzkiste“ weiterlesen

Platz

„Nehmen Sie bitte Platz!“

Diese schlichte, alltägliche Aufforderung sagt doch ganz viel: eine Einladung zu Sein an diesem Ort, in dieser Welt, in diesem Leben.

Platz bedeutet, da ist Raum für mich reserviert, ausreichend Platz haben, wo ich sein kann, wo ich mich bewegen kann, einen Platz, wo ich atmen kann. Gibt es einen Platz, der für mich vorgesehen ist? Und muss ich danach suchen?  Wenn ich ihn nicht finde, bin ich dann „fehl am Platz“? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten den Platz zu finden? Einen Platzanweiser für das Leben, ein Lebens-Navi haben –  Jetzt bitte links abbiegen, Sie haben Ihr Ziel erreicht – das wäre schön.

„Platz“ weiterlesen

Ortswechsel

Anfang Juli besuchte ich eine Schreib- und Tanzwerkstatt bei  Christina Brudeck und Iria Otto zum Thema Verwandlung. Hier ist dieser Text entstanden:

Heiter und geschäftig waren die Tage,
atemlos und ohne Pause,
voller Energie und innerer Leere.
Bis an die Grenzen der Kraft
schaffte ich, vollbrachte ich, tat ich.
Viel Gutes entstand, Produkte ohne Zahl.
Ich sah sie nicht, ich spürte sie nicht.
Nur im Applaus der Welt war ich da.
In mir blieb ich einsam, leer zurück.
Verborgen blieb ein brennender Schmerz und der schlummernde Schatz
eingeschlossen in mein verletztes Herz.

„Ortswechsel“ weiterlesen

Netzraum

Blogparade #bks11: Digitale Einsamkeit

Dieser Beitrag gehört zur #Blogparade des 11. Jahrgangs des Studiengangs „Biografisches und kreatives Schreiben“ an der ASH Berlin. Zum Thema Digitale Einsamkeit verfassen alle auf ihren eigenen Blogs einen Beitrag und vernetzen sich im digitalen Schreiben. temp-03Eine ganze Welt eröffnet sich im digitalen Raum. Alles, was es im echten Leben auch gibt, findet man im Internet – oder sogar noch mehr. Hier kann ich mich in virtuelle Welten begeben, phantastische Abenteuer erleben, an verschiedenen Orten der Welt 24/7 anwesend sein durch meine Internetpräsenz, meine Homepage, meinen Blog, meine … Ich kann meine Schreibfreiheit unendlich auskosten, mich breit machen in bits und bites.

„Netzraum“ weiterlesen